Original paper

Die Klimakurve in der Postglazialzeit Süddentschlands

Kraus, E.

Kurzfassung

Die Verwitterungsrinde des süddeutschen Niederterrassenschotters zeigt in Südbayern und am Mittelrhein folgendes sehr verbreitete Profil: Graubrauner, schwach humushaltiger, lehmiger Sand 1 dm, oben etwas humusreich, mehr grau, unten mehr braun; rotbrauner, ziemlich steiniger, sandiger Lehm 1,5-3 dm; brauner, sandreicher Lehm 0,5 dm (fehlt häufig); grauer, teilweise bräunlicher, kalkreicher Schotter. Dies ist nicht ein normales Profil eines podsoligen Bodens (Braunerde, Ramann) mit höherem Auslaugungs- und tieferem Anreicherungshorizont; denn es ist nicht einzusehen, unter welchen besonderen Bedingungen des heutigen Klimas sich die Rotfärbung des zweitobersten Horizonts, weiche dem Boden die Bezeichnung ,Blutlehm" eingetragen hat, entwickeln könnte. Andererseits haben meine eingehenden chemischen und physikalischen Untersuchungen ergeben, daß der Blutlehmhorizont auf das engste verwandt ist mit demjenigen des Hochterrassenbodens (vgl. E. Blanck 1914) und nach den Kennzeichen, die heute überhaupt verfügbar sind, auch nicht zu trennen ist von typischer mediterraner Roterde. Wenigstens die feinsten Teilchen, verständlicherweise, denn letztere ist ja auch ein mehr oder weniger vollkommenes Schlämmprodukt. Die Primär-Mächtigkeit des Niederterrassen-Blutlehms konnte unter einer Sand-Schlick-Decke zu 1/2 von der der Hochterrasse ermittelt werden; die Intensität des Roterdecharakters ist bei beiden Böden nahezu gleich. Nun finden wir in beiden genanntem Gebieten am Inn und Rhein sieben Terrassenflächen in den Niederterrassenschotter eingesenkt und die Böden dieser Stufen stimmen miteinander weitgehend überein: sie haben die gleiche klimatische Geschichte hinter sich. Abgesehen von der fortschreitenden Verjüngung der Binden nach unten zu bemerken wir auf den vier obersten Terrassenflächen noch Blutlehmreste, am wenigsten davon auf der vierten von oben. ...