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Die Bedeutung der Trogtheorie für Süddeutschland

Kranz, W.

Kurzfassung

Die neue Theorie nehme ich als Arbeitshypothese zur Deutung der Tektonik des ganzen süddeutschen Schollenlandes in Anspruch. Tröge, also relativ absinkende Gebiete sind m. E. der Rheintalgraben zwischen seinen randlichen Horsten und Halbhorsten, und das Land zwischen Schwarzwald, Böhmerwald und Alpen. Herr Lehmann hat bereits die neuzeitlichen relativen Senkungen und seitlichen Verschiebungen in Bayern mit seiner Trogtheorie gedeutet. Ich schließe mich dem an und lehne es ebenso wie Lehmann ab, diese Erscheinungen als ein Hinabpressen der Mulde des Alpenvorlands durch ein rezent nach N vordringendes Alpengebirge aufzufassen. Wäre dem so, dann müßten die tatsächlich gemessenen Bewegungen in den Alpen weit vorherrschend nach N, die im Alpen vorland wenigstens in der Resultante zwischen der nordwärts gerichteten hypothetischen Druckkraft und einem nach S oder SW gerichteten Widerstand älterer Horste liegen, also vorherrschend nach Nordwest gerichtet sein. Beides ist aber nicht der Fall, und in den hauptsächlich nach West gerichteten seitlichen Verschiebungen glaube ich einen Nachklang alter ostwestlicher Druckwirkungen bei einer Querfaltung und Schuppung in den nördlichen Alpen zu erkennen; Anzeichen für solche Druckwirkung aus östlicher Richtung beim Aufstau der bayerischen und Nordtiroler Alpen-abgesehen von einer südlichen Komponente-hat ja wohl Rothpletz und hauptsächlich seine Münchener Schule unzweifelhaft festgestellt. M. E. haben nicht die Alpen auf das süddeutsche Schollenland schiebend und hebend gewirkt, sondern umgekehrt: Die Alpen innerhalb des großen mediterranen Troges, dieser Geosynklinale erster Ordnung, wurden u.a. vom Nordschenkel des Troges aus, also vom süddeutschen Schollenland, unterschoben. ...