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Zum Problem der Grabenbildung

Weber, Maximilian

Kurzfassung

I. Historisch-kritische Einleitung: Im Jahre 1827 hatte E. De Beaumont von einem Juraberge bei Solothurn aus die Aussicht auf Schwarzwald, Vogesen und das dazwischen in der Tiefe liegende Rheintal genossen und dabei den Eindruck gewonnen, daß es sich geologisch um ein in O-W-Richtung gespanntes Gewölbe handle, dem der Schlußstein fehle; dieser eben habe durch seine Einsenkung die Rheinebene gebildet, während zu beiden Seiten die Widerlager stehen geblieben wären. Das Gewölbe dachte sich Beaumont in der Richtung des Rheintales tonnenförmig langgestreckt; die hebende Kraft sei zentrifugal gewesen, also aus der Tiefe gekommen; die äußere Schale dieses Stückes mußte sich einer vergrößerten Fläche anpassen, sie mußte reißen, und zwischen den sich erweiternden Rissen konnten einzelne Schollenstücke in die Tiefe sinken, wie Beispiele an alten Gewöibebauten zeigen: wenn die Seitenwände des Baues auseinanderweichen, geht der Gewölbeschlußstein zur Tiefe (zit. nach Van Werveke, Entstehung des Mittelrheintales, Mitt. Ges. f. Erdkunde, Straßburg, 1913).-Ein Einwand erhebt sich hier sofort: wenn das Gewölbe durch eine hebende also zentrifugale Kraft aus der Tiefe her entstanden gedacht wurde, so mußte diese Kraft, wenn sie nicht vorher wieder rätselhafter Weise sich in die Tiefe zurückgezogen hatte, doch auch den Schlußstein genau so wie die Widerlager am Einstürzen hindern, und es konnten höchstens in der Richtung des Rheintales, so wie an jedem Faltensattel, mehrere schmale Risse auf der Höhe des Gewölbes entstehen mit sekundärem Nachstürzen der Ränder, niemals aber eine so breite Senke. Nach E. Suess (Antlitz der Erde) sind Schwarzwald-Odenwald einerseits, Vogesen und Hardt andrerseits stehengebliebene ,Horste"; die Umgebung zu beiden Seiten wie auch in der Mitte, im heutigen Rheintal, hätte sich nur gesenkt.-Die Gewölbetheorie war damit aufgegeben, aber die ziemlich geradlinige Erstreckung des Rheintales zwischen parallelen Rändern zunächst nicht weiter erklärt. ...