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Der Rabutzer Beckenton und das Alter seiner Hangendschichten in Beziehung zur Ausdehnung des letzten Inlandeises

Keilhack, K.

Kurzfassung

Zwischen Halle und Leipzig, 5 km nördlich von der Eisenbahn, liegt das kleine Dorf Rabutz, in dessen Nähe ein Tonlager aufgeschlossen ist, welches seit vierzig Jahren in der geologischen Literatur besprochen wird und in den letzten zehn Jahren durch drei größere Arbeiten von Siegert und Weissermel, C. A. Weber und W. Soergel aufs neue in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist. Es handelt sich bei den Rabutzer Beckentonen um zwei wesentlich verschiedene Prägen: 1. um das Alter des Beckentons selbst, und sodann 2. um die Stellung, der Schichten in seinem Hangenden. Die Frage nach dem Alter darf durch die sorgfältigen stratigtaphischen Arbeiten Siegerts, Webers und Soergels wohl in dem Sinn als endgültig gelöst betrachtet werden, daß es sich hier um jüngeres Interglazial handelt, welches durch die von Weber nachgewiesene floristische Aufeinanderfolge und durch die Soergelschen Untersuchungen der Wirbeltierfauna als in einem von unten nach oben immer wärmer werdenden Zeitabschnitt abgelagert nachgewiesen ist. Ich werde mich daher hier ausschließlich mit der zweiten Frage beschäftigen, dem Alter der hangenden Schichten des Tons. Bereits 1880 hatte K. v. Fritsch diese Deckschichten für Grundmoräne gehalten. Siegert glaubte ebenfalls, mit Sicherheit Grundmoräne darüber nachgewiesen zu haben, und Soergel hat in seiner letzten Arbeit diese Hangendschichten ebenfalls für glazial erklärt. Da nun der Beckenton jüngeres Interglazial ist, so kann das darüberliegende Glazial nur auf die letzte deutsche Eiszeit bezogen werden, und es ergibt sich daraus der weitere Schluß, daß die amtliche geologische Kartierung Norddeutschlands mit ihrer jetzt angewandten Ziehung der Grenzen der letzten Eiszeit irrtümlich ist, und daß die letzte Inlandeisbedeckung Norddeutschlands um mindestens 60 km weiter nach Süden gereicht hat als bisher angenommen wurde.