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Über das Interglacial von Neuenburg a. d. Weichsel

Sonntag, P.

Kurzfassung

Bei der großen Wichtigkeit, welche die interglaciale Eemfauna von Neuenburg (Westpreußen) für die Beurteilung der ganzen Interglacialfrage hat, mögen hier einige Beobachtungen mitgeteilt werden, die ich bei mehrtägigem Aufenthalt vor kurzem in Neuenburg am Steilufer der Weichsel, speziell am Steilhange der zur Weichsel ausmündenden ,Hübschmannschen Parowe" machen konnte. Es ist das dieselbe Stelle, an welcher schon Th. Ebert (Erl. Blatt Neuenburg, S. 2 und 3) vor 25 Jahren seine Funde von Diluvialkohle und mariner Fauna machte. Das Steilufer der Weichsel nördlich von Neuenburg zeigt die merkwürdige Eigenart des Hervorspringens einer den Abspülungen kräftig widerstehenden grauen Geschiebemergelhank (Eberts II. Unterer Geschiebemergel), auf welcher viele Quellen entspringen. In sumpfigen, mit Equisetum maximum und üppiger sonstiger Vegetation bedeckten Rinnen und Schluchten werden die abstürzenden lockeren Massen des Oberen Geschiebemergels und der darunter liegenden Sande und schwachen sonstigen Geschiebemergelbänke abgeführt zur Sohle des Tales bis zur Weichsel, während kanzelartige Vorsprünge des erwähnten mächtigen, grauen und im trockenen Zustande sehr harten Unteren Geschiebemergels stehen bleiben. Die marinen Conchylien finden sich nun zerstreut schon an einer Klippe des erwähnten grauen Diluvialmergels gleich nördlich der Stadt, dann aber in Menge am Ausgange der genannten Hübschmannschen Parowe (Ziegelei), wo man an der Oberfläche der hervortretenden Geschiebemergelbank vom Hegen ausgewaschen Nassa reticulata, Cardium edule (große Exemplare), zerbrochene Tapes-Schalen, Cerithiunt usw. reichlich sammeln kann. ...