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Studien an Rinnen und Sanderflächen in Norddeutschland

Woldstedt, Paul

Kurzfassung

In der Sanderzone, die im allgemeinen die Endmoräne außen begleitet, heben sich einzelne große Sanderflächen durch ihren Bau und ihre Oberflächengestaltung heraus. Ussing beschrieb solche zuerst aus Jütland und faßte sie auf als gewaltige Schuttkegel subglazialer Schmelzwasserströme, die an bestimmten, heute noch deutlich erkennbaren Punkten aus dem Eis heraustraten, und deren Spuren in Rinnentälern, Seenketten und Föhrden im ehemals eisbedeckten Gebiet vorhanden sind. Kegelsander dieser Art sind auch in Norddeutschland weit verbreitet, und als ein solcher ist z. B. der Mückenburger Sander südlich von Berlinchen in der Neumark anzusehen. Die die Umrandung des Odergletschers bildende jungbaltische Endmoräne zeigt hier eine Einbuchtung zum Berlinchener See hin, und dort liegt die Aufschüttungsregion des Mückenburger Sanders in etwa 100 m über NN. Sie zeigt die für die Aufschüttungspunkte solcher Sanderkegel charakteristische Struktur: radiales Ausstrahlen von zahlreichen unregelmäßigen flachen Rücken und Senken, Anhäufung groben gerollten Materials, dessen Korngröße im Sander nach außen hin abnimmt. An der Aufschüttungsregion endigt das eigentümliche, durchschnittlich 2 km breite und bis 60 m in die Diluvialhochfläche scharf eingeschnittene Plönetal, das, von der Odermündung kommend, die Becken des Madü- und Plöne-Sees beherbergt und sich mit unregelmäßig kuppigem Talboden zum Sander hin hebt. Es ist subglazial ausgefureht worden durch einen mächtigen Schmelzwasserstrom, der nach seinem Austritt aus dem Eis den Mückenburger Sander aufschüttete. Ein weiteres Beispiel für einen Kegelsander bildet der große in der Fortsetzung der Potsdamer Seengruppe gelegene Beelitzer Sander. Seine Aufschüttung erfolgte durch Schmelzwasserströme, die subglazial das trichterförmig sich verengende Rinnensystem der Havelseen ausfurchten und südlich von Ferch aus dem Eis austraten. ...