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Ein Fund natürlicher Zellulose im Miocän des Niederlausitzer Braunkohlenreviers

Gothan, W.

Kurzfassung

Vor kurzer Zeit erhielt ich von einem sehr aufmerksamen Beobachter im Niederlausitzer Braunkohlenbecken, Herrn Bergwerksdirektor Dipl.-Ing. Sapper in Klettwitz einige Funde zugeschickt, unter denen wissenschaftlich am bemerkenswertesten eine Anzahl von Stücken fossilen Holzest war, die sich schon äußerlich von sehr ungewöhnlicher Erhaltung zeigten und deswegen die Aufmerksamkeit des genannten Herrn im besonderen Maße erregt hatten. Sie waren nämlich von fast schneeweißer Farbe, so daß Herr Sapper an die Erscheinung der Weißfäule dachte. Die Art des Holzes konnte noch nicht näher bestimmt werden und wird sich auch vielleicht nicht mehr genauer bestimmen lassen, da die einzelnen Zellen, wie der mikroskopische Befund zeigt, außerordentlich stark angegriffen und korrodiert sind und, wie die Dünne der Wände beweist, sehr erheblich an Substanz verloren haben. Bei genauerer Prüfung mit chemischen Reagenzien, unter denen ich auch Chlorzinkjod anwandte, zeigte sich zu meiner nicht geringen Überraschung, daß die Holzstücke eine ausgesprochene und unmittelbar erfolgende Zellulosereaktion zeigten, indem das ,Holz" sich sofort intensiv blau färbte. Allem Anschein nach handelt es sich also um mehr oder weniger reine Zellulose, mit denen wir noch weitere Prüfungen vorzunehmen im Begriff sind; so z.B. auch die Prüfung mit dem Schweitzerschen Reagens (Kupferoxydammoniak), die jedoch noch nicht beendet sind. Der Chemiker an der Geologischen Landesanstalt in Berlin, Herr Dr. A. Böhm, hat sich der Sache in freundlicher Weise angenommen und wird darüber vielleicht später selbst näher berichten. Es ergibt sich jedenfalls zunächst nach den bisherigen Versuchen soviel, daß man sagen kann, daß aus diesem Holz die Holzstoffe (Lignine) auf natürlichem Wege irgendwie entfernt worden sind und mehr oder weniger reine Zellulose übrig geblieben ist. ...