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Normaltektonik, Salztektonik und Vulkanismus

Stille, Hans

Kurzfassung

Zum ersten Verhandlungsgegenstande unserer diesjährigen Tagung, den ,wechselseitigen tektonischen Beziehungen zwischen Intrusivmassen und ihrer Umgebung", nehme ich, entsprechend einer Bitte unseres Geschäftsführers, des Herrn Cloos, gerade hier in Breslau mit umso größerer Freude das Wort, als unser Breslauer Kollege nicht nur die tiefenvulkanischen Probleme durch sehr exakte und originelle Arbeitsmethoden in ein neues Licht gerückt, sondern dadurch auch der allgemeinen Erkenntnis tektonischer Probleme einen starken Antrieb gegeben hat. Er hat uns vor allem gelehrt, die Aufzeichnungen, die der tektonische Druck im erstarrten Glutfluß hinterlassen hat, zu erkennen und zu deuten. Wie in früheren Arbeiten, so möchte ich auch bei meinen heutigen Ausführungen die Zeitlichkeit des geologischen Geschehens weitgehend zugrunde legen. Unter Verwertung der Meeresbewegungen als der besonders feinen Indikatoren der Bewegungen des festen Erdgerüstes kommt man zu der Vorstellung, daß die Epirogenese Intensitätsschwankungen von z. T. weltweiter Bedeutung zeigt, und man kommt damit zu einer ,epirogenetischen Gleichzeitigkeitsregel", die eben besagt, daß die Veränderungen im Gange der epirogenetischen Bewegung in den verschiedensten Erdgebieten erhebliche gleichzeitige Gleichsinnigkeiten aufweisen. ,Plio-epirogenetische" Zeiten sind solche, in denen die Festländer im allgemeinen verstärkt und in erweitertem Umfange aufsteigen, während die Meere sich einengen; in den ,mio-epirogenetischen" Zeiten tritt dagegen ein stärkerer Ausgleich der Reliefverhältnisse, begleitet von einer Erweiterung der Ozeane auf Kosten der Festländer, ein. ...