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Zur Genese des deutschen Braunkohlentertiärs, besonders der mitteldeutschen Älteren Braunkohlenformatin

Weissermel, W.

Kurzfassung

Braunkohlentertiär erfreut sich im allgemeinen keiner großen Beliebtheit bei den Geologen. Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, daß es lange Zeit ein Stiefkind der geologischen Forschung gewesen ist. Nicht, daß es von Anfang an so gewesen wäre; aber nachdem eine ältere Generation grundlegender Forscher - ich nenne nur Beyrich, v. Koenen, Zaddach, Behbendt, Laspeyres, v. Fritsch, Credner - den verschiedenen Braunkohlenvorkommen ihre stratigraphische Stellung zugewiesen, wenn möglich auch eine Einzelgliederung durchgeführt hatten, erlahmte das Interesse an diesen fossilarmen und eintönigen Festlandsablagerungen. Das vielgestaltige Leben des Meeres mit seiner ewig wechselnden Geschichte einerseits, und die Wirkung der gebirgsbildenden Kräfte andererseits boten dankbarere Forschungsgebiete als diese festländischen Ablagerungen, die, aufgebaut aus immer den gleichen und doch in ermüdendem Wechsel immer wiederkehrenden Quarzsanden, Tonen und Braunkohlen, so gut wie fossilfrei waren und dadurch eine Bestimmung ihres Alters oder auch nur einen Vergleich untereinander aufs äußerste erschwerten oder unmöglich machten. Zwar waren die fossilführenden Festlandsablagerungen der Tertiärzeit dauernd Gegenstand der Forschung - es braucht nur an das Mainzer und an das kleine Steinheimer Becken erinnert zu werden -, aber das sind gerade diejenigen, die keine Braunkohlen führen. In diesen blieb fast nur die Frage der Kohlenentstehung Gegenstand der Erörterung. Aber auch sie wurde nur als Teil des ganzen Kohlenbildungsproblems, sozusagen als Anhangskapitel an die Entstehung der Steinkohle, behandelt: Als das Kleinsche Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau bei seinem ersten Erscheinen im Jahre 1907 den Versuch machte, eine übersichtliche Darstellung des ganzen deutschen Braunkohlentertiärs aus der Feder vieler Verfasser zu bringen, war daher zwar mancherlei ältere, aber wenig neue Literatur zu zitieren. Nur Beschreibungen einzelner Reviere von bergmännischer Seite lagen in einiger Zahl vor. Seitdem ist es wesentlich anders geworden, und das Interesse der Geologen hat sich in weitgehendem Maße diesen lange vernachlässigten Ablagerungen zugewandt. ...