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Das Klima der Diluvialzeit

Gagel, C.

Kurzfassung

Seit mehr als 50 Jahren werden die umfassendsten Studien und Arbeiten zur Feststellung der Tatsachen des nordischen Diluviums allein in Deutschland ausgeführt - ganz abgesehen von den entsprechenden Arbeiten anderer Länder - und trotz, aller dieser, speziell der paläozoologischen, paläobotanischen und klimatologischen, Arbeiten herrscht heute noch die weitestgehende Unsicherheit über das Klima der Diluvialzeit und die Ansichten hierüber stehen sich, soweit sie sich überhaupt auf greifbare Daten stützen und nicht rein hypothetisch sind, sehr schroff gegenüber. Das hängt nicht nur mit dem Streit über Polyglazialismus und Monoglazialismus zusammen, der durch die ihm zugrunde liegenden theoretischen Überzeugungen die Interpretation der festgestellten Tatsachen mehr oder minder beeinflußt, besonders auf seiten der Monoglazialisten, sondern vor allem auch damit, daß, soweit ich es zu überblicken vermag, noch niemand - abgesehen von W. Köppen - sich der Mühe unterzogen hat, die aus den bisherigen Forschungen folgenden Ergebnisse über Tundrenklima, Steppenklima, glaziales und interglaziales Klima in konkrete Zahlen zu fassen und die Temperaturen dafür, unsern heutigen Erfahrungen entsprechend, zahlenmäßig festzulegen. Soweit ich die Literatur überblicke, hat sich m. W. noch niemand - immer abgesehen von W. Köppen und vielleicht von Nathorst - zahlenmäßig klar gemacht, was klimatologisch Dryasflora, Yoldiafauna, ,Birkenzeit", was das Vorkommen von Moschusochs, Halsbandlemming, Polarfuchs usw. in Temperaturgraden ausgedrückt, bedeutet; man hat sich an den Worten ,arktisches Klima", ,Tundrenklima" genügen lassen und, wenn man Monoglazialist war, die Bedeutung der darin liegenden Tatsachen möglichst herabzudrücken sich bemüht. ...