Original paper

Über eine angeblich bedeutende Verschiebung der mittelrheinischen Gebirge längs des Mittelrheins

van Werveke, L.

Kurzfassung

In einer neueren Abhandlung ,Die Verbreitung der tertiären und diluvialen Meere in Deutschland" nimmt der Verf., O. v. Linstow, eine längs der Spalten des mittelrheinischen Grabens erfolgte Verschiebung seiner Randgebirge um etwa 50 km an. Sie kann ,erfolgt sein entweder durch Pressung auf dem linken Flügel von N her oder durch Schub aus dem S, der auf den rechten Flügel einwirkte. Wenig wahrscheinlich ist eine beiderseitige, annähernd gleichzeitige Verschiebung." Die Mitwirkung der Alpen wird bei der Ausübung des Schubes als ausgeschlossen: erachtet. (S. 56). Ein Versuch zur Erklärung des Vorganges schließt auf S. 57 mit den Worden: ,Ob die hier vorgetragene Ansicht eines Erdrisses, der auf Überspannung einer epirogenetischen Bodenbewegung beruht, nicht eines Grabens, vor allem aber die Möglichkeit einer seitlichen Verschiebung der Bruchränder, einer strengen Nachprüfung standhalten wird, muß dem Urteil sachkundiger Fachgenossen überlassen bleiben; es sollte hier wenigstens kurz auf diese sonderbare Erscheinung hingewiesen werden." Den Auseinandersetzungen ist ein Kärtchen 1 : 4 000 000 beigefügt, auf weichem vom Ostfuß der Vogesen und der Haardt in ungefähr SW-NO-Richtung nach dem Westfuß des Schwarzwaldes und des Odenwaldes verlaufende gestrichelte Linien die ,gleichen Gebirgsglieder" zu beiden Seiten der Rheintalspalten verbinden, aus deren Lage der Verfasser die genannte Verschiebung ableitet. Von S ausgehend vergleicht v. Linstow das Bruchfeld von Gebweiler mit dem Bruchfeld von Emmendingen-Lahr und leitet daraus eine Verschiebung von 50-51 km ab. Beide sind hauptsächlich aus Buntsandstein aufgebaut. Legt man die Regelmannsche Karte zugrunde, auf die der Verf. verweist, so ergibt sich, daß das nördliche Ende des letzteren Feldes, in bezug auf eine W-O-Linie gemessen, rund 38 km, schräg herüber gemessen 62 km weiter nördlich hegt als das des ersteren. ...