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Der geologische Bau des Wettersteingebirges und seine Bedeutung für die Entwicklungsgeschichte der deutschen Kalkalpen

Leuchs, Kurt

Kurzfassung

Bei der Auswahl des Wettersteingebirges für die Exkursionen der Deutschen Geologischen Gesellschaft 1923 war ausschlaggebend, daß für dieses Gebiet eine ausgezeichnete Grundlage in der geologischen Karte der bayrischen Landesanstalt von Reis und Pfaff, sowie dem 1. Teil der Erläuterungen dazu von Reis vorliegt, ferner, daß seit dem Erscheinen dieser Arbeiten das Gebirge der Gegenstand eines lebhaften Meinungsaustauschs zwischen einer Reihe von Geologen geworden war. Die verschiedensten Anschauungen sind über den Bau dieses Gebirges geäußert worden, und wenn die Sachlage noch heute die ist, daß keine dieser Anschauungen voll befriedigt, so können wir dies als Beispiel für die Schwierigkeiten ansehen, welche der Klärung des alpinen Gebirgsbaus entgegenstehen. Denn eine Reihe von Problemen, welche die Alpen bieten, tritt uns im Wettersteingebirge vor Augen, ähnlich wie in anderen Teilen der deutschen Alpen. Es sei mir deshalb gestattet, in aller Kürze einige dieser Probleme hier aufzuwerfen. Bevor ich dazu übergehe, ist es nötig, den Bau des Gebirges und die wichtigsten darüber geäußerten Anschauungen zu skizzieren. Von N nach S lassen sich folgende tektonische Einheiten unterscheiden: An die Muldenzone des Vorlandes, bestehend aus Raibler Schichten und Hauptdolomit mit Einfaltungen jüngerer Schichten (Rhät bis Neokom) schließt sich die 1. Sattelzone von Wamberg-Waldeck und die des Höllentals, erstere ausgezeichnet durch mächtige Entwicklung von Partnachschichten, demnach bestehend aus Muschelkalk-Partnach-Raibler Schichten, letztere nur zum Teil noch mit Partnachschichten, überwiegend dagegen bestehend aus Muschelkalk-Wettersteinkalk-Raibler Schichten. Auf diese Verschiedenheit im Schichtbestand komme ich noch zu sprechen. Die Sattelzone geht über in die ...