Original paper

Über ein Vorkommen von Mittelkambrium (Paradoxides stufe) aus dem bayrischen Frankenwald

Wurm, A.

Kurzfassung

Kambrium ist auf geologischen Karten in Mitteldeutschland, in Thüringen, Sachsen und Nordbayern, in großen Flächen ausgeschieden, aber nirgends durch einwandfreie paläontologische Funde belegt. Das thüringische und bayrische ,Kambrium" umfaßt mindestens zum Teil die Stufe der sog. Phykodenschichten, die nach ihrem Fauneninhalt unzweifelhaft ins tiefste Silur gestellt werden müssen. Die Leimitzschichten bei Hof, ebenso die Salmschichten des Hohen Venn gehören dem Tremadoc, also ebenfalls dem untersten Silur an. Echtes fossilführendes Kambrium war auf deutschem Boden bisher nicht bakannt. Die Aufnahmen, die zurzeit von der Bayerischen geologischen Landesuntersuchung auf Blatt Presseck im Frankenwald durchgeführt werden, haben nun neue überraschende Resultate gezeitigt. In Grauwackenquarziten und grauen sandigen Tonschiefern hat sich eine verhältnismäßig reichhaltige Fauna gefunden, die geeignet ist, neues Licht auf die Stratigraphie und Paläogeographie des ältesten Paläozoikums zu werfen. Die Fauna ist noch nicht im einzelnen durchbestimmt, schon jetzt kann aber kein Zweifel mehr bestehen, daß die fossilführenden Schichten dem Mittelkambrium, der sog. Paradoxides stufe, angehören. Paradoxides spinosus, eine der Hauptleitformen von Skrej und Tejrovic in Böhmen hat sich in gut erhaltenen Exemplaren gefunden. Die Fauna besteht aus mehreren Trilobitenformen, Konularien und Brachiopoden. Sie verspricht wichtige Aufschlüsse über den Faunenaustausch in den mittelkambrischen Meeren.