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Ein Problem der Paläoklimatologie

Kesseler, Paul

Kurzfassung

Zur Erforschung der Klimate geologischer Vorzeiten stehen mehrere Wege zur Verfügung. Der unsicherste scheint der, wie ich ihm nennen will, meteorologische zu sein, der, von der Konfiguration der Festländer und Meere und von dem Relief des Landes in einer bestimmten Zeit ausgehend, nach den Gesetzen der Gesetzen der Meteorologie die Klimate für die verschiedenen Gegenden rekonstruieren will. Die noch immer nicht gelöste frage der Permanenz der Ozeane und die Unsicherheit, die in die ganze Paläogeographie durch die Wegnersche Hypothese der wandernden Kontinente gekommen ist, die Ungewißheit über etwaige Polverlegungen lassen diese Methode der paläoklimatischen Forschung zum mindesten für die Zeiten vor dem Diluvium als verfrüht erscheinen. Wesentlich sicherer erscheinen zunächst die Schlüsse aus Fauna und Flora der Vorzeiten, und für die jüngste geologische Vergangenheit auch die aus der Pflanzen- und Tiergeographie. Freilich kann niemals das einzelne Tier oder die einzelne Pflanze irgendwelche Beweiskraft besitzen, sondern nur die ganze zu einem bestimmten Klima - und wohlgemerkt auch zu einem bestimmten Ort mit bestimmten Grundwasser- und Bodenverhältnissen - gehörige Flora oder Fauna kann Aufschluß geben. Wenn, wie das Tanfiljeff angibt, auf Sachalin neben der Birke der Bambus wächst, wenn dort die Weinrebe die nordische Fichte umrankt, wenn im Amurgebiet neben Veilchen und Nelken die südliche Dioscorea quinqueloba und Philadelphus tenuifolius wächst, wenn dieselben Wälder vom Bären und Tiger, vom Renntier und Fasan, vom Zobel und Eber bewohnt werden, so ist das eine beherzigenswerte Mahnung zur Vorsicht in unseren Schlüssen. Aber trotzdem ist es kein Beweis, daß die Methode an sich unrichtig ist. Vielmehr geben die Pflanzen uns ein ganz vorzügliches Mittel, ein besseres sogar als die meteorologischen Apparate, zur Beurteilung des Klimas an die Hand. Beansprucht doch die eine ein bestimmtes Minimum an Bodenfeuchtigkeit oder Wärme während der Vegetationszeit, die andere verträgt nur bestimmte Sommer-, die dritte nur bestimmte Wintertemperaturen usw. ...