Original paper

Über Sedimentbildung im Bodensee

Hummel, Karl

Kurzfassung

Die Untersuchung von etwa 70 Grundproben aus dem Überlinger- und Obersee zeigt, daß überall in diesem See ein sehr feinkörniger, kalkreicher Alphititmergel abgesetzt wird. Der Schlamm enthält ziemlich viel Eisen, das, abgesehen von der oxydischen Oberschicht, größtenteils als Eisenkarbonat vorhanden ist. Chitinschalen sind im Schlamm erhalten, sie geben aber nur ein stark verzerrtes Bild von der planktonischen Krebslebewelt des Sees. Echte Sandschichten sind nur an wenigen Stellen, namentlich nahe dem Mündungsgebiet des Rheins und an den Steilufern des Überlinger Sees vorhanden. Jahresschichtung irgendwelcher Art ist nicht nachzuweisen. Eisensulfidreiche schwarze Bänder tauschen Schichtung vor, bezeichnen aber - wahrscheinlich nur Tragen besonders üppigen Wachstums gewisser im Schlamm lebenden Schwefelbakterien. Der Sandgehalt des Schlamms ist sehr gering und nimmt nach der Seemitte hin ab. Der Karbonatgehalt zeigt eine deutliche Abhängigkeit von der Seetiefe, da der an der Seeoberfläche durch Algen ausgeschiedene physiologische Übersättigungskalk beim Niedersinken in die Tiefe vom kohlensäurereicheren Tiefenwasser teilweise wieder aufgelöst wird. (Ein ausführlicher Bericht über die Untersuchungsergebnisse ist im Geol. Archiv v. E. Kraus, Bd. II, 1923. Heft 1, S. 35 bis 45 erschienen.)