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Die neue Tiefenkarte des Walchensees

Fels, Edwin

Kurzfassung

Der Walchensee gehörte bisher zu den am wenigsten bekannten Seen, weshalb schon oft die Forderung nach, einer Neuvermessung laut geworden ist. Erst das Walchenseeprojekt brachte eine Erfüllung dieser Wünsche, indem der See vor der Einleitung der Isar einer eingehenden und vielseitigen wissenschaftlichen Bearbeitung unterzogen wurde. Die neue Tiefenkarte wurde auf Grund einer neuartigen Lotungsmethode mit Hilfe von 2217 Meßpunkten entworfen. Sie zeigt gewaltige Unterschiede gegenüber der bisher vorhandenen, auf 200 Lotungen beruhenden Tiefenkarte von A. Geistbeck. Sie enthüllt uns ein Relief von einer Mannigfaltigkeit der Formen, wie es bisher von keinem Alpensee bekannt war. Diese weichen durchaus von denen normaler alpiner Talseen ab, so daß man von vornherein zu dem Schluß geführt wird, daß hier andere Entstehungsursachen als bei jenen vorliegen. Während im kleineren NO-Teil des Sees ostwestliche, der normalen Streichrichtung der Gebirgsfalten parallele Richtungen die morphologischen Formen beherrschen, findet sich im SW- und S-Teil eine auffällige Häufung südwest-nordost gerichteter Formen. Diese parallel zur großen Kesselberg-Blattverschiebung, welche offenbar im Raum des Walchensees eine gewaltige Verbreiterung erfährt. Die Bruchzone schwillt hier bis auf eine Breite von etwa 4 km an. Man kann auf Grund des morphologischen Befundes der Tiefenkarte den Walchensee mit Sicherheit geradezu als den Idealfall eines tektonisch bedingten und tektonisch ausgestalteten Sees betrachten, für den man anderwärts nicht so leicht ein ebenso typisches Gegenstück findet. Zeitlich ist die Entstehung des Walchensees als präglazial anzunehmen. Die Eiszeit gestaltete die ursprünglichen Formen wohl aus, hat sie aber durchaus nicht verwischen können. ...