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Der Löß in Wolhynien

Gagel, C.

Kurzfassung

Im Kriege hatte ich Gelegenheit, als Kriegsgeologe reichlich 100 km frische Schützengrabenprofile im Löß Wolhyniens zu sehen und genauer zu studieren. Die eingesammelten Bodenprofile sind dann im Laboratorium der Pr. Geol. Landesanstalt genau untersucht und ergaben das Resultat, daß der Löß Wolhyniens mit seiner Schwarzerdrinde nach seiner physikalischen (52 bis 72% ,Lößstaub" von 0,05 bis 0,01 mm Korngröße!) und chemischen Beschaffenheit genau übereinstimmt mit dem mittel- und westdeutschen Löß, daß er aber wesentliche Unterschiede zeigt von dem Löß der süd- und ostrussischen Tschernosiomgebiete. Nach den in der russischen Literatur veröffentlichten Analysen des ost- und südrussischen Tschernosiom ist dieser wesentlich tonreicher (Überwiegen der feinsten Tonbestandteile über die typischen Lößkorngrößen von 0,05 bis 0,01 mm Korngröße). Dieser typische Löß mit der üblichen Lößschneckenfauna, liegt nun in dem ganzen Gebiet südlich einer etwa von Wladimir Wolynsk nach Osten verlaufenden Linie auf einer Erosionslandschaft der senonen Kreide, teils direkt auf dieser, teils mit Zwischenlagerung anders ausgebildeter lößartiger Sedimente. Sehr oft liegt unter dem typischen, porösen, ungeschichteten Löß ein wesentlich ton- und kreidestaubreicherer, geschichteter, fester, nicht poröser ,Löß" mit Süßwasserfossilien: Tutkowskis ,Seelöß". Dieser tonige, geschichtete ,Seelöß" zeigt nach der mechanischen Analyse, daß hier die feinsten, ,tonigen" Bestandteile unter 0,01 mm (39,6 bis 63%) den typischen Lößkorngrößen von 0,05 bis 0,01 mm mindestens gleichkommen oder sie gar noch wesentlich übertreffen (28,8 bis 44%), er gleicht anscheinend in seinen physikalischen Zusammensetzung sehr genau dem süd- und ostrussischen Tschernosiom, und enthält 22 bis 51% Kalkgehalt. ...