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Studie über die Entstehung der Kalilagerstätten des deutschen Zechsteins

Fulda, Ernst

Kurzfassung

1. Die besonders von Jänecke entwickelte Theorie der geothermalen Metamorphose wird auf Grund von fünf Einwänden geologischer Natur für die Kalisalzlagerstätten des deutschen Zechsteins abgelehnt. 2. Im Gegensatz zu Ochsenius ist anzunehmen, daß das Zechsteinbecken bereits zu Beginn der Mittleren Zechsteinzeit seine Verbindung mit dem offenen Ozean verloren hat und daß die Salzlösungen dann infolge der Eindunstung in verschiedenen Tiefgebieten Salzseen gebildet haben, die der fortschreitenden Eindunstung entsprechend auf immer kleineres Gebiet zusammenschrumpften. Ausgedehnte Anhydritgebiete traten dabei an die Erdoberfläche. 3. Bei der Eindunstung entstanden im Salzsee neben Vertikal- auch Horizontalströmungen, die durch die wechselnde Eindunstungsgeschwindigkeit erklärt werden, welche ihrerseits von der verschiedenen Tiefe des Salzsees abhängig ist. 4. Da die einzelnen gelösten Bestandteile verschiedene Viskosität innerhalb der Gesamtlösung besitzen, verursachten die Horizontalströmungen eine Entmischung der Mutterlaugen, die sich z. B. aus der abweichenden Zusammensetzung des Älteren Kalilagers im Südharzgebiet erkennen läßt. 5. Infolge der Entmischung konnten im Zechsteinbecken gleichzeitig Lösungen nebeneinander existieren, die bei höherem Kaliumgehalt Hartsalz, bei geringerem Kaliumgehalt Carnallitgestein bilden mußten. 6. Beide Salzgesteine sind vermutlich bei Temperaturen über 83° entstanden. 7. Infolge lokaler Laugenentmischung können Steinsalz und Sylvinit oder Sylvinit und Carnallitgestein nebeneinander in derselben Gesteinsbank sich abgeschieden haben. 8. Die Hauptmasse der Chlormagnesiumlaugen befand sich noch in flüssigem Zustand, als der Meerwassereinbruch erfolgte, aus der später die Jüngere Salzfolge entstand. Aus der verdünnten Mutterlauge entstand zunächst eine rückläufige Salzfolge: Decksteinsalz, Anhydritzone des Grauen Salztons, klastische und dolomitische Zone des Grauen Salztons. 9. Von den posthumen Salzen abgesehen sind alle Kalisalzgesteine ursprüngliche Bildungen der Zechsteinzeit, die keinerlei chemische Umwandlungen in späterer Zeit erfahren haben.