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Die nordwestfälisch-lippische Schwelle

Haack, W.

Kurzfassung

Das nordwestfälisch-lippische Bergland wird im Süden von den durchweg steilgestellten bis überkippten Oberkreideschichten des Osnings begrenzt, die zugleich den aufgerichteten Rand des tiefer gelegenen und ebenen Münsterschen Beckens darstellen, im Norden aber von den Juraschichten des Weser-Wiehengebirges, die mit flacherem Einfallen entgegengesetzt, also nach Norden zu unter die schon im norddeutschen Flachland liegenden Kreideschichten untertauchen, während im höher gelegenen hügeligen Zwischengebiet hauptsächlich Trias und Lias sich ausbreiten. So erscheint das Gebiet heute als Schwelle zwischen zwei Ebenen. Der geschilderte Aufbau führte zunächst zu der Ansicht, daß man es in dem ganzen breiten herzynischen Streifen mit einem großen Sattel zu tun habe, also mit einem einheitlichen Gebilde, wie dies V. Koenen 1885 (22, S. 80 und 81), O. Tietze 1909 (47, S. 307) und noch 1910 R. Lepsius (27, S. 410) aussprachen, oder mit einem Horst bzw. Doppelhorst, wie E. Suess wollte (46 III, 2, S. 34). Nachdem aber Stille erkannt hatte, daß der schmale Osning für sich allein schon als Sattel aufzufassen sei und später Haarmann die weiter nördlich verlaufende Piesberg-Achse verfolgt hatte, die nach Osten zu ihre Fortsetzung in der Pyrmonter Achse findet, wurde der so scharf ausgeprägte lange Kamm des Weser-Wiehengebirges zu einer bloßen durch die Widerstandsfähigkeit der Weißjuraschichten bedingten Schichtstufe auf dem Nordflügel der Piesberg-Pyrmonter Achse. (Stille, 42, S. 231.) Daß aber die Lage des Jurakammes nicht alleine hierauf zurückführen ist, sondern noch tiefere Ursachen zugrunde liegen müssen, zeigt sich schon bei näherer Betrachtung der Verwandtschaft, die zwischen ihm und der Plänerkette besteht: Beide streichen unbekümmert um den höchst mannigfaltigen Bau des Zwischengeländes auf sehr lange Strecken äußerst ruhig dahin und würden, wenn man nur sie kennte, jenen schnellen Wechsel gar nicht ahnen lassen. ...