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Über Wesen und Ursprung der postvaristischen Tektonik Nordwestdeutschlands - Ein Beitrag zur Kinematik der Schrägschollengebirge

Quiring, H.

Kurzfassung

Seit etwa zehn Jahren steht die Frage nach Art und Ursache der nachvaristischen Bewegungen in Norddeutschland im Vordergrund des Interesses. Eine reiche Literatur ist entstanden; reich an Beobachtungen, Deutungsversuchen und Gegensätzen. Derjenige, dem die Probleme im einzelnen fernerliegen, glaubt insonderheit zwei grundsätzlich verschiedene Anschauungen erkennen zu können: eine ältere, von Stille und seinen Schülern getragene, die das Bewegungsbild durch Faltungsvorgänge, tangentiale Pressungen, entstanden ansieht, und eine jüngere, die aus dein tatsächlichen Beobachtungen, insbesondere der räumlichen Lage der Verwerfungen, tangentiale Pressung und Zerrung als bewegende Faktoren ableiten will. Eine dritte Ansicht, in markanter Form von Lachmann ausgesprochen, die den Zechsteinsalzen eine aktive Rolle zubilligen wollte, scheint überwunden zu sein. Dem Salz wird nur noch Passivität zuerkannt, die Fähigkeit hydrodynamischen Aufquellens auf Störungszonen unter Belastungsdruck, wie Harbort überzeugend dargetan und Schuh durch Versuche erhärtet hat. Immerhin ist und bleibt die bedeutende Salzablagerung im Untergrund der Senken zwischen den Mittelgebirgen und im Bereich einzelner Schwellen ein schwer zu eliminierender Faktor, und so ist es wohl zu erklären, daß über Wesen und Ursprung der rein tektonischen Bewegungen des praesalinaren Untergrunds noch so wenig Klarheit herrscht. Die ausgleichenden Untersuchungen Haarmanns und Schuhs bedeuten zwar einen wesentlichen Fortschritt, beide haben es aber nicht vermocht, ihre Ansichten so durchschlagend und eindeutig zu gestalten, wie dies Stille gelungen ist. Stilles Auffassung, geläutert im Widerstand gegen einen berechtigten Angriff. Lachmanns, hat zweifellos viel für sich, da eine große Zahl von Beobachtungen für eine Druckstruktur des saxonischen Feldes spricht. ...