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Beiträge zur tektonischen Deutung der Kluftsysteme im sächsischen Quadergebirge

Foerster, Hermann

Kurzfassung

I. Allgemeines: Im Gebiete der sächsischen Kreidetafel treten eigentümliche Kluftsysteme zutage, welche sowohl in ihrem Streichen wie in ihrem Fallen einen auffälligen Parallelismus betätigen; schon Gutbier widmet in seinen ,Geognostischen Skizzen" diesem Klüftungsphänomen ein besonderes Kapitel. Selbstverständlich kann dieser Parallelismus kein starrer, streng geometrischer sein, sondern es kommen oft Abweichungen von der Hauptrichtung vor; dieselben sind jedoch nur von untergeordneter lokaler Bedeutung und können das herrschende Prinzip in keiner Weise beeinflussen. Im allgemeinen ist das Streichen der Klüfte auf weite Entfernungen hin durchaus in dem gleichen Sinne orientiert; Abweichungen von der Hauptrichtung finden in besonders charakteristisch ausgeprägten Gebieten kaum statt, höchstens um etwa ±5°. Die Gesetzmäßigkeit im Verlauf der Klüfte schließt deren Deutung als Schrumpfungsrisse, wie es früher geschehen ist, von vornherein aus. Da die Klüfte außerdem einheitlich im Streichen und Fallen mächtige Schichtpakete durchsetzen, kommen für ihre Entstehung nur tektonische Kräfte in Frage, worauf auch Beck bei der geologischen Aufnahme des Gebietes hingewiesen hat, der zwei senkrecht sich schneidende Kluftsysteme unterscheidet, ein nordöstlich und ein nordwestlich streichendes. Größere Abweichungen haben ihren Grund in meist klar erkennbaren Umständen, z. B. in einer lokalen Änderung der richtunggebenden tektonischen Kräfte, wodurch die Klüfte in ihrem Streichen gewissermaßen unsicher werden, oder in einer Interferenz durch ein anderes Kluftsystem, oder in einem Abdrücken durch aufquellende Magmen. Untergeordneter erfolgte die Anlage von Klüften nichttektonischer Natur schon bei der Sedimentation durch Nachsacken, ungleichmäßiges Austrocknen, durch petrographische Faziesänderung oder sonstige lokale Umstände. ...