Original paper

Zur Kenntnis der alluvialen und jungdiluvialen Schotter im mittleren Weser- und Saaletal

Naumann, Ernst

Kurzfassung

Die breite Wanne des Wesertals zwischen Hameln und Erder bildet für den Beschauer eine scheinbar einheitliche große Niederung, besteht aber aus mehreren niedrigen Talstufen, die man, von kleinen Zwischenstufen abgesehen, die wohl nur durch die ungleiche Art der Abtragung bereits gebildeter Aufschüttungen entstanden sind, mit L. Siegert (1, 2) in zwei Terrassen zerlegen kann, eine höhere postglaziale und eine tiefere alluviale Terrasse, oder aber man folgt O. Grupe (3), der die höhere Terrasse als zeitlich der letzten Vereisung entsprechende Untere Terrasse bezeichnet und als Alluvium nur die feineren Absätze des heutigen Wesertals, hauptsächlich Flußsande und Auelehme, gelten läßt (4, 5). Einige Beobachtungen, die ich besonders auf dem Blatt Hessisch-Oldendorf machte, erscheinen mir geeignet für die Kenntnis dieser jüngeren Terrassen einen Beitrag zu liefern, weshalb ich das Ergebnis hier kurz, mitteilen möchte. Zunächst zeigt das Weseralluvium auf der Talstrecke Hameln-Erder, wie durch zahlreiche Aufschlüsse und Hunderte von Flachbohrungen nachgewiesen ist, in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle das typische Profil einer normalen Flußaufschüttung, und zwar von oben nach unten 2 bis 4 Meter Auelehm, dann 1 bis 2 Meter Wesersand und darunter 3 bis 5 Meter Weserkies. Sowohl der Auelehm, als auch der Sand und Kies können aber auch zuweilen fehlen; doch ist es im allgemeinen eine Seltenheit, daß die Oberfläche des Alluviums von Weserkies gebildet wird, sondern meist folgt dieser erst in Tiefen von 3 bis 4 Metern unter der Grasnarbe, ist aber an den Steilufern der Weser, die allerdings meist künstlich befestigt sind, unter dem Auelehm und Sand häufig sichtbar und fehlt nur da, wo die Kiese älterer Terrassen unmittelbar an den Fluß herantreten. Daß es tatsächlich im Wesertal ganz ausgedehnte alluviale Kieslager gibt, die nicht der Unteren Terrasse angehören, wird dadurch bewiesen, daß in diesen Kiesen rote Ziegelsteingerölle vorkommen, die zum Teil die Form von flachen, gerundeten Schottern haben, oft aber auch nur wenig abgerollt sind und die Form der Ziegelsteine (z. B. eines Dachziegels) noch erkennen lassen. ...