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Über das Ineinandergreifen von Schollen- und Faltengebirgsbau

van Werveke, L.

Kurzfassung

In der Sitzung der Deutschen Geol. Ges. vom 7. März 1923 hat Herr H. Stille in einem Vortrag über die Osning-Überschiebung die Ansicht ausgesprochen, daß der Unterschied zwischen Schollen- und Faltengebirge gewöhnlich nicht scharf sei. Herr P. Krusch äußerte sich demgegenüber, daß beide Arten von Störungsvorgängen in vielen Fällen scharf geschieden seien. Er führte als Beispiel an, daß das Gebiet südlich der Gebirgsmasse des Brabants kräftige Faltungen und weitreichende Überschiebungen zeige, während nördlich derselben bei flacher Lagerung nur Schollenverschiebungen in Frage kommen. Denselben Unterschied erkennt man in einem S-N-Querschnitt durch Aachen. Im mitteldeutschen Salzgebiet sind beide Arten der Gebirgsbildung verschwommen; es liegt ein Ausnahme verhalten vor. Neben der gewöhnlichen Tektonik herrscht die Salztektonik, welche sich aber auf das Hangende der Salz- und Gipslager beschränkt und im Liegenden nicht nachweisbar ist. Die scharfe Unterscheidung der Schollen- und Faltungsgebiete rührt von Suesz her. Zu den ersteren rechnete er die mittelrheinischen Gebirge und die anschließenden Stufenländer. Für die südliche Hälfte des Großherzogtums Luxemburg, die Trierer Bucht und das nördliche Lothringen habe ich mich früher der Ansicht von Suesz angeschlossen. Auf Taf. II sowohl der Erläuterungen zur Geologischen Übersichtskarte der südlichen Hälfte des Großherzogtums Luxemburg (Straßburg 1887) als auch der Erläuterungen zur Geologischen Übersichtskarte des westlichen Deutsch-Lothringen (1887) habe ich eine Übersicht der Verwerfungen des genannten Gebietes im Maßstab 1 : 600 000 gegeben und dazu bemerkt, daß Trias und Jura rings um das ältere Gebirge eingesunken seien. Die Darstellung sprach so sehr für die ausgesprochene Ansicht, daß sie von Suesz als Beispiel in das ,Antlitz der Erde" aufgenommen wurde. ...