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Postbasaltische und rezente Schubbewegungen auf Überschiebungsklüften im Rheinischen Schiefergebirge

Quiring, H.

Kurzfassung

Wie die Flözkarte zeigt, verlaufen in den regional gefalteten Karbonschichten am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges im Streichen der Schichten fast ausschließlich Druckstörungen (Überschiebungsklüfte, Schaufelflächen), während Zugstörungen (Sprünge) meist quer dazu gerichtet sind. Diese Tatsache kann eine mehrfache Deutung finden; sie läßt sich u. a. durch die Annahme erklären, daß auch während der postkarbonischen Zerrungsphasen, die zur Entstehung der Sprünge geführt haben, das Gebirge einem latenten Druck in SO-NW-Richtung ausgesetzt gewesen ist, der das Aufreißen von Spalten quer zum gefalteten Gebirge, jedoch nicht im Gebirgsstreichen gestattet hat. Die an sich flächenhafte Zerrung ist so zu einer gerichteten (linearen oder polaren) geworden. Diesem Deutungsversuch stellte vor einiger Zeit K. Lehmann eine andere Erklärung entgegen. Er vertritt die Anschauung, daß die ,gerichtete" Zerrung nicht aus flächenhafter Zerrung entstanden, sondern von vornherein linear gewesen sei, ausgegangen von dem im Mesozoicum gebildeten Saxonischen Trog. Die Quersprünge Westfalens seien parallele Randstörungen dieses quer zur varistischen Geosynclinale angeordneten bedeutenden Senkungsfeldes. In eine Erörterung der Frage einzutreten, ob der ,saxonische Trog" als tektonisches Element bestanden und an der Bildung der Sprünge des westfälischen Karbon Anteil hat, würde zu weit führen. Ich verweise auf den Vortrag, den ich am 5. März 1924 in der Sitzung der Gesellschaft gehalten habe. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Umstand, daß sehr viele stark gefaltete Gebirge quer zur Faltung Sprünge zeigen, und zwar auch dann, wenn ein Quertrog nicht vorhanden ist, daß dagegen im Gebirgsstreichen wohl Überschiebungsklüfte, aber nur ganz selten Sprünge verlaufen. ...