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Die Rudisten des norddeutschen Turons

Wegner, Th.

Kurzfassung

Gegenüber der Formenfülle und dem Individuenreichtum des mediterranen Meeres an Rudisten, der bis zur ausgedehnten Gesteinsbildung führt, treten die Rudistenfunde in den nördlichen Bezirken sehr zurück. Rudisten sind hier bisher aus Nordfrankreich, England, Schweden, Norddeutschland und Böhmen bekannt geworden. Sie wurden in Norddeutschland vor allem aus dem Senon beschrieben und sind hier durchaus nicht so selten, wie gemeinhin angenommen wird. Müller fand bei Ilsenburg a. H. ungefähr 700 Exemplare, während mir aus dem westfälischen Senon bisher 40 Stück vorliegen. Dazu kommen noch ältere Funde von Roemer und Ewald aus dem Harzvorland und neuere Funde im westfälischen Untersenon, die mir der Zahl nach nicht bekannt sind. Von Interesse ist, daß die senonen Stücke bisher nur an einigen wenigen Punkten gefunden wurden. Auch die Artenfülle ist recht beträchtlich. Durch Ewald, Roemer und insbesondere durch Müller sind aus der oberen Quadratenkreide Norddeutschlands Radiolites hercynicus Ewald, R. pusillus Lundgren, R. sublaevigatus Lundgren, R. Gosae Roemer bekannt geworden. Dazu kommt aus der westfälischen Granulatenkreide R. Mülleri Wegner. Weniger als aus dem Senon sind Rudisten aus dem Turon bekannt geworden. Drescher erwähnt das Vorkommen von Biradiolites cornupastoris bereits 1863 aus dem Turon von Löwenberg in Schlesien. Der erste westfälische turone Rudist wurde 1905 im Kalksteinbruch Böker zwischen Stadtlohn und Südlohn im westlichen Münsterland von mir gefunden. Das Exemplar konnte damals ebenso wie zwei später von Löscher gefundene Stücke nicht näher bestimmt werden. Inzwischen sind von Lehrer Laurent bei Horde und von Rechnungsrat Mack bei Essen weitere Funde gemacht worden, die Franke sämtlich als Radiolites Mortoni in seiner dankenswerten ,Zusammenstellung der in Nordeuropa bekannten Rudisten" bestimmte. ...