Original paper

Die Tektonik des ostpreußischen Quartärs

Kraus, E.

Kurzfassung

Nach einem regionalgeologischen Überblick, in dem die bereits im ,Geologischen Führer durch Ostpreußen" auseinandergesetzten Gesichtspunkte betont wurden, konnte an Hand der wichtigeren Daten über quartärtektonische Bewegungen der Provinz gezeigt werden, daß die Großformen von heute in der Hauptsache nichts anderes sind als das derzeitige Endergebnis wechselvoller junger Bodenbewegungen. Dabei steht als ein Hauptproblem die Entwicklung des Baltischen Höhenrückens voran. Wenn es keinen subdiluvialen ,polnischen Sockel" an seinem Südrande gibt, wie das die Bohrungen heute dartun, so kann es sich nicht um den Schuttwall des auf längere Zeit an ihm gestauten Inlandeisrandes handeln (A. Tornquist), zumal der Höhenrücken ja auch anderwärts fortsetzt, wo ein Stau noch weniger annehmbar erschien, und zumal ein Sockel, der im letzten Interglazial längst begraben gewesen wäre, nicht mehr für einen langen Stillstand während der letzten Vereisung verantwortlich sein kann. Außerdem zeigen die Untersuchungen von H. Mortensen neuerdings, daß die Eisrandlagen der letzten Vereisung, die zwar in Ostpreußen annähernd dem Höhenrücken gleichlaufen, in Litauen diesen schräg überschneiden. Endlich ist das Eis nicht nur von Schweden, sondern auch von dem südöstlichen Finnland nach Ostpreußen gelangt, wie die Geschiebe beweisen. Wenn aber der Geschiebetransport, wie im heutigen Inlandeis, fast allein an der Eisbasis erfolgt, so konnten sich geschiebetransportierende Eisströme nicht überkreuzen; folglich muß das Eis - m. E. aus epirogenetischen Gründen - einmal, von Schweden abströmend, in Ostpreußen zwar eine ostwestliche Front, parallel dem Höhenrücken, ein andermal aber, von Finnland und dem litauischen Hochgebiet herkommend, bei uns nordwest-südöstliche Randlagen besessen haben. Solche vermissen wir im Höhenrücken ganz; er läßt sich somit mit den Hauptfrontrichtungen, die wir fordern müssen, nicht in Einklang bringen. Exogen allein ist der Baltische Höhenrücken nicht zu deuten. ...