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Die neueren Anschauungen auf dem Gebiet der physikalisch-chemischen Petrologie

Eitel, W.

Kurzfassung

Durch Anwendung der Gibbsschen Phasenregel auf magmatische Systeme und natürliche Lösungen ist eine neue exakte Behandlung grundlegender Probleme der Petrographie möglich geworden. Es wird an dem einfachen Beispiel des Systems H2O gezeigt, welche Rückschlüsse in bezug auf das Verhalten gefrierenden Wassers bei hohen Drucken sich machen lassen, und wie eine gewisse maximale Sprengwirkung dabei auch im Gestein nicht überschritten werden kann. An einzelnen ausgewählten Beispielen der experimentellen Ergebnisse amerikanischer Forscher, insbesondere des Geophysikalischen Laboratoriums des, Carnegie-Instituts in Washington Dc. konnte der Vortragende Anwendungen auf spezielle Fragen der magmatischen Schmelzflüsse und ihres chemisch-physikalischen Charakters geben. So legte er besonderen Nachdruck auf die Darstellung der im natürlichen Vorkommen so charakteristischen Umwandlungen von Olivin in Augit, welche eine ungeheure Menge von basaltischen Gesteinen erkennen lassen und bei dem in der Natur so häufigen Falle des Kristallisations-Ungleichgewichtes zu ,falschen Paragenesen", wie z. B. von Olivin neben Augit und Quarz führen können (Typus quarzdiabasischer oder -gabbroider Gesteine). Besonders die schöne Untersuchung von Bowen über die Schmelzerscheinungen in den Systemen Diopsid-Albit-Anorthit und Forsterit-Anorthit-Si O2 zeigen uns an, in welcher Weise die Ungleichgewichte infolge von Kristallisationsdifferentiationen den Verlauf der Erstarrung eines anfangs ganz einheitlichen Gesteins durch ,Fraktionierung" in allen Stadien eines Gabbro- bis zu einem Granitaplitgestein regeln müssen. Das Prinzip der Reaktionen im Ungleichgewichte erklärt eine Fülle der bis dahin problematischsten Beobachtungen im natürlichen Gesteinsverbande. Ein neues und schwieriges Gebiet eröffnet sich, wenn man die Anwesenheit flüchtiger Komponenten, insbesondere von H2O und CO2 mit berücksichtigen will. Hier ist die theoretische Erkenntnis, geleitet von dem Meisterintellekt eines Bakhuis Roozeboom und eines Schreinemakers bei weitem der Experimentaltechnik vorangeeilt. ...