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Probleme der alpinen Quartärgeologie

v. Klebelsberg, R.

Kurzfassung

Die Probleme der alpinen Quartärgeologie sind gutenteils andere als jene des norddeutschen Diluviums. Ein gemeinsames Problem betrifft die zeitliche Gliederung der quartären Vergletscherung. Diesbezüglich ist heute für das alpine Gebiet eine weitgehende Einigung der Autoren zu verzeichnen im Sinne der Annahme mehrerer, durch Interglazialzeiten getrennter Vereisungsperioden. Gewiß ist der Widerspruch auch heute noch nicht verstummt. Aber seitdem eine derart selbständige und der Konvenienz unverdächtige Autorität wie Albert Heim in der Schweiz zu so weitgehend übereinstimmenden Ergebnissen gekommen ist wie A. Penck im Ostalpengebiete, fehlt für wesentlich abweichende Ansichten eine Begründung, die ähnlich hoch gewertet werden könnte. Bis vor kurzem konnte man noch sagen, die Beweise für eine Mehrheit der Vergletscherungen stammten durchaus nur aus dem Alpenvorlande; man könne daher mit der Annahme bloßer Gletscherschwankungen auskommen; im Alpeninnern hingegen, das für die Frage, ob Gletscherschwankungen oder durch Interglazialzeiten getrennte Vergletscherungsperioden, maßgebend sein müsse, sei bisher günstigsten Falles, durch die Höttinger Breccie, erst eine Interglazialzeit nachgewiesen worden. Heute scheidet auch dieser Einwand aus. Seitdem die große Talverschüttung des Inntales, die Inntalschotter, übereinstimmend als interglazial erkannt ist, muß die Höttinger Breccie zwangsläufig; in eine frühere Interglazialzeit zurückdatiert werden, so daß wir heute auch im Innern der Alpen den Nachweis mindestens zweier Interglazialzeiten führen können. Was die interglaziale Deutung der Höttinger Breccie selbst anlangt, kann sich auch derjenige, der von Haus aus anderer Meinung ist, auf keine Weise besser von der Richtigkeit dieser Deutung überzeugen, als wenn er unter Berücksichtigung der neueren Literatur an Ort und Stelle die Einwände nachprüft, die nach Anlage des ,Lepsius-Stollens" noch dagegen erhoben worden sind. ...