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Die Entstehung der Kalke in Süßwasserseen und in Meeren - Ein Vergleich

Klähn, Hans

Kurzfassung

In zwei Arbeiten habe ich meine Ansichten über die Entstehung der vadosiden Süßwasserkalke ausgesprochen. Diese Ansichten basieren auf geochemischen Untersuchungen in der Natur und im Laboratorium. Dabei habe ich vor allem die Veränderungen des kalkhaltigen Wassers während der Kalkausscheidung und erst in zweiter Linie den abgelagerten Kalk, also den kalkhaltigen Schlamm oder den Kalkstein, in den Kreis der Betrachtungen gezogen. Bevor ich nun mit meinen Untersuchungen fortfahre, welche sich auch auf die Genese der Kalke in Meeren, sodann auf die Beziehungen zwischen Kalk und Kieselsäure, Eisen und organischer Substanz erstrecken werden, halte ich es für angebracht, einmal einen rein hypothetischen Vergleich zwischen den Bildungsmöglichkeiten des Kalkes in Süßwasserseen und in Meeren zu ziehen, soweit dies mit Hilfe der bis jetzt vorliegenden Daten möglich ist. Es wird sich dabei in erster Linie um die Frage drehen: Ist eine Ausscheidung und ein Absatz des Kalkes auf rein chemisch-physikalischem Wege möglich oder nicht? Die Ausscheidung des im Wasser gelösten Kalkes hängt von der Konzentration desselben, von derjenigen der freien Kohlensäure und ihrem Druck, deren Menge aber wiederum in gewissem Sinne von den vorhandenen Sauerstoffquanten ab. Der Kalkgehalt der Binnenseen richtet sich nach demjenigen der Umgebung, der Zuflüsse und unterseeischer Quellen. Diese Faktoren können einzeln oder kombiniert auftreten. Es sei erwähnt, daß der Kalkgehalt der im Urgebirge gelegenen Seen nicht über 3 mg in 100 ccm hinausgeht, während er in Kalkgebirgsseen 73,7 mg erreichen kann (Ritomsee nach einer Angabe bei Halbfass). Einige Zahlen sollen einen ungefähren Begriff von der Kalkkonzentration der Binnenseen geben: ... Vgl. die vielen Kalkangaben bei Willer. Der Kalkgehalt der Meere beträgt nach Dittmar 0,0123 % CaCO3, d.h. auf 100 ccm Wasser kommen 12,3 mg Kalk. Die Angaben bei Forchhammer über den ,Lime"-Gehalt sind höher, was aber damit zusammenhängt, daß CaO vor allem auf Phosphat und Sulfat zu berechnen ist. ...