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Das innere System im west- und süddeutschen Thermalphänomen

Deecke, W.

Kurzfassung

Im Oberrheingebiet haben wir eine erhebliche Zahl von Thermalquellen, welche sich an die bekannten alten Massive der Vogesen und des Schwarzwaldes anschließen und den Südabfall des Rheinischen Schiefergebirges von Kreuznach bis Nauheim begleiten. Teils sind sie linienartig angeordnet, wie in dem letzten Falle, teils liegen sie isoliert wie z. B. Wildbad, Plombières und Baden im Aargau. Sie fehlen dem Odenwald und der Pfälzer Haardt und scheinen, wenn man sie als Ganzes zusammenfassend betrachtet, den stärker bewegten Abschnitten der alten varistischen Rümpfe eigen zu sein. Ich hatte mir einmal eine Liste dieser warmen Wasser gemacht, welche ich weiter unten tabellarisch wiedergebe, und war dabei vor dem Problem stehengeblieben: Warum sind diese Thermen so sehr verschieden warm? Läßt sich vielleicht dafür geologisch eine Erklärung finden, welche zugleich dies ganze Phänomen im Oberrhein- oder sogar weitergehend im Rheingebiet von Baden (Aargau) bis Aachen einigermaßen befriedigend erklärt. Bei den meisten der warmen Quellen ist festgestellt, daß sie mit Verwerfungen oder wenigstens mit bedeutenden tektonischen Linien verknüpft sind. So liegen die Aachener Schwefelwasser auf einem Bruche, die Kreuznacher, Wiesbadener, Homburger und Nauheimer Thermen am südlichen Steilabbruch des Rheinischen Schiefergebirges; Baden-Baden steht ebenso wie Badenweiler auf Rissen am Rande von Granitmassiven; Niederbronn, Kestenholz, Rappoltsweiler, Sulzbach im Elsaß sind an die Randbrüche der Vogesen gebunden, Baden-Aargau an die Lägernkette und das Ausklingen der Jurafaltung. Im Lande Baden gibt es noch eine Anzahl weiterer, wenig bekannter warmer Quellen bei Munzingen, Sulzburg, Riedlingen, Säckingen, welche teils auf der Rheintalspalte, teils auf anderen Verwerfungsklüften aufdringen; dazu gehört die 1911 erbohrte Nenaquelle von Krozingen, südlich von Freiburg. ...