Original paper

Über eine morphologische Grenze im nordwestdeutschen Flachland und deren Bedeutung

Gripp, K.

Kurzfassung

Gibt man den Meßtischblättern des nordwestdeutschen Flachlandes durch Farbgebung der einzelnen Höhenstufen erhöhte Übersichtlichkeit, so läßt sich aus ihnen erkennen, wodurch sich die Oberflächenformen des Glazials im Randgebiet der Ostsee von den Oberflächenformen weiter südlich gelegener Glazialgebiete unterscheiden. Für die Ostseerandgebiete sind vor allem folgende Formen bezeichnend: 1. unruhige, an Kleinformen reiche Oberflächenformen; 2. ringsgeschlossene Wannen und Kessel einschließlich Seen; 3. ein wirres, nicht ausgereiftes Flußnetz. Hingegen sind den weiter südlich gelegenen Gebieten neben anderen folgende Formen eigen: 1. ruhige, sanftgeneigte Formen; 2. das Fehlen größerer abflußloser Hohlformen und Seen; 3. eine Zertalung, die in wasserdurchlässigen wie wasserundurchlässigen Gebieten von den höchstgelegenen Teilen gleichmäßig in alle Richtungen verläuft; 4. zahlreiche Trockentäler bis zu 15 km Länge, und zwar z. T. in heute vollkommen durchlässigen Gebieten; 5. zumeist auffallend geradlinige Wasserläufe. Diese Unterschiede besagen, in dem einen Gebiet herrschen die Formen der Aufschüttung weitgehend vor, im anderen Gebiet jedoch sind fast ausschließlich Formen der Zerstörung vorhanden, also Akkumulationsformen einerseits, Erosionsformen andererseits. Eingehende Untersuchung ergab: die Grenze zwischen den beiden Gebieten ist durchaus scharf, Ausnahmen bestehen nicht. Diese morphologische Grenze kann nur als Grenze der letzten Vereisung aufgefaßt werden aus Gründen, die ich a.a.O. auseinandergesetzt habe. Erörterungen im Anschluß an den Vortrag bestätigten weiter meine Vermutung, daß die erwähnte morphologische Grenze auch die Grenze für die Verbreitung der in S- u. W-Holstein und in der Lüneburger Heide nahe der Oberfläche vorhandenen Windschliffzone ist; die in den genannten Gebieten so häufigen windgeschliffenen Geschiebe fehlen innerhalb der morphologischen Grenze! ...