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Über Glimmerklüfte, Lettenklüfte, Schichtung und Schieferung am Südabfall der Niederen Tauern

Quiring, H.

Kurzfassung

Bei der tektonischen Untersuchung des Erzberges von Hüttenberg in Kärnten im Jahre 1924, über die ich an anderer Stelle ausführlich berichten werde, verwandte ich auf die Erkennung der Kluftverhältnisse besondere Sorgfalt, wie sie sich im Siegerlande bei der Ausrichtung verworfener Gangkörper bewährt hatte. Es ergab sich, daß die bruchlose Faltung, die sowohl auf den geologischen Karten des Gebietes als auch auf den Sohlenriasen dargestellt war, nicht allein den Gebirgsbau bestimmt, sondern daß Sprünge, flache und steile Überschiebungen in ebenso hohem Umfange als Struktur-Elemente auftreten. Die Spezialtektonik des kristallinen Kerns der Ostalpen zeigt überraschende Ähnlichkeiten mit der Tektonik der deutschen paläozoischen Mittelgebirge. Auf diese Fragen möchte ich aber an dieser Stelle nicht eingehen, vielmehr ist der Zweck meiner kurzen Darlegungen, Ihnen eine neue Beobachtung mitzuteilen, die uns eine Methode eröffnet, aus der Ausfüllung einer Kluft, sei es nun eines Sprunges, eines Blattes oder einer Überschiebungskluft, ihr relatives Alter abzuleiten. An den vielen hundert Klüften, die in den kristallinen Kalken von Hüttenberg über und unter Tage aufgenommen werden konnten, beobachtete ich, daß zahlreiche Klüfte eine bis 10 m mächtige glimmerschiefrige Ausfüllung enthielten, während in unmittelbarer Nachbarschaft ähnliche Klüfte ausschließlich lettige (tonige, feinsandige und feinkalkige) Ausfüllung besaßen. Dieselbe Beobachtung machte ich im Bereich des Glimmerschiefers. Ihn durchsetzten ebenfalls nicht nur Glimmerschiefer-führende, sondern auch Letten-führende Klüfte. Zur kurzen Bezeichnung der Glimmerschiefer führenden Klüfte, die ich durch Kompaßmessung festlegte, wählte ich den Namen Glimmer-Klüfte. ...