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Schwellen- und Beckenfazies im ostrheinischen Paläozoikum

Schmidt, Hermann

Kurzfassung

In der gestrigen Versammlung wurde der Wunsch nach einer Fazieskarte des ostrheinischen Paläozoikum ausgesprochen und gesagt, daß für eine solche gegenwärtig die Unterlagen noch nicht ausreichen. Andererseits aber bringt die fortschreitende Erforschung unseres Gebietes immer mehr Faziesunterscheidungen, und man fühlt sich gedrängt, darin einen Sinn zu suchen und in einstweilen schematischen, Darstellungen zum Ausdruck zu bringen, wenn man nicht den Überblick überhaupt verlieren will. Schon die Mannigfaltigkeit an sich läßt vermuten, daß unser Gebiet keine einheitliche Geosynklinale gebildet hat, sondern durch submarine Schnellen in Teilgeosynklinalen gegliedert war. Um Verwechslungen mit den Einheiten des heutigen Gebirgsbaues vorzubeugen, möge von diesen als von Becken gesprochen werden, nicht Mulden, wie in der Ankündigung dieses Vortrages. Ähnliche Gegenüberstellungen brachten J. Ahlburg 1920 (,Horst- und Muldenfazies") und H. Richter 1923 (,Antiklinal- und Synklinalfazies"). Ihre Begriffe kann ich nicht übernehmen, weil das Zusammenfallen mit heutigen Sattel- und Muldengebieten durchaus nicht im Wesen der Faziesgebiete liegt. So zeigt beispielsweise der Ebbesattel keine Schwellenfazies. Als eine der Vorbedingungen zum Zustandekommen dieser Differenzierung erscheint die Zugehörigkeit zu einem viel umfassenderen, dem herzynischen Faziesgebiet. Was bedeutet rheinische und herzynische Fazies? Als Typen sind unterdevonische Bildungen anzusehen, und zwar Oberstadtfeld einerseits, die Cephalopodenkalke des Unterharzes andererseits. Es wird aber damit ein Faziesgegensatz ausgedrückt, der sich in gleicher Weise vom Obersilur bis in das Karbon hinein verfolgen läßt. Ich möchte ihn deuten als den Gegensatz der Ablagerungen bewegten und stillen (kaum bewegten) Wassers. ...