Original paper

Über den Bau des Ammergebirges

Richter, Max

Kurzfassung

Zwischen Lech und Loisach am Nordrand der Kalkalpen erstreckt sich ein langer und hoher Gebirgszug von großer Geschlossenheit. Er zerfällt in einen kleineren westlichen Teil, der mehrfach gegabelt und zerteilt ist, hohe und steile Gipfel bildend, die Hohenschwangauer Alpen, und einen größeren östlichen Teil, vom Lobertalbach bis zur Loisach ziehend, hier einen einzigen langen Gebirgskamm bildend, das eigentliche Ammergebirge. Diesem seien die folgenden Zeilen gewidmet. Im Osten wird der Ammergebirgskamm vom alten Quertal der Ammer durchbrochen, dadurch wird ein kleiner östlicher Komplex des sonst so einheitlichen Kammes abgetrennt, der als Labergebirge bezeichnet wird. Nachdem in jüngster Zeit aus den Vilser und Hohenschwangauer Alpen so neue und interessante tektonische Probleme bekanntgeworden waren, erschien es reizvoll, die gewonnenen Ergebnisse auch weiter nach Osten zu verfolgen. So übernahm ich die Kartierung 1 : 25 000 des Ammergebirges zwischen Lobertal und Ammerquertal, während Hohenschwangauer Alpen und Labergebirge in andern Händen liegen. Im folgenden seien die bis jetzt gefundenen Ergebnisse berichtet Während weiter im Osten aus den bayrischen Voralpen eine Reihe von neuen Aufnahmen vorliegt, und im Westen in jüngster Zeit die Tektonik auf eine moderne Grundlage gestellt wurde, blieb das Ammergebirge seit 1898 völlig von allem verschont. Sämtliche Deutungen der Tektonik mußten sich daher auf die Arbeiten und Karten von Söhle stützen. Bei der Neuaufnahme hat sich schon gleich herausgestellt, wie unrichtig zum Teil die Karte von Söhle ist. Die Schichtgrenzen stimmen in den seltensten Fällen, ganze Schichtkomplexe sind weggelassen usw. ...