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Die Bedeutung der ,Transformation" des Liegenden von gefalteten Transgressionsflächen

Seitz, Otto

Kurzfassung

Der Vortrag von Herrn Woldstedt in der Sitzung unserer Gesellschaft am 2. Dez. 1925 über ,Die kimmerische Phase der saxonischen Gebirgsbildung im subherzynen Becken" und die daran anschließende lebhafte Diskussion, bei der z. T. recht verschiedene Ansichten geäußert wurden, gibt mir Veranlassung zu der nachfolgenden kurzen Mitteilung. Die z. Z. bestehenden Widersprüche in der Auffassung der Tektonik des subherzynen Beckens werden erst dann verschwinden bzw. gemildert, wenn das Ergebnis einzelner orogener Phasen für sich genauer beschrieben werden kann, wenn insbesondere für die präkretazische Tektonik exakte Grundlagen sich ermitteln lassen. Die bisherigen Versuche in dieser Richtung beschränken sich im wesentlichen auf die Auswertung des allgemeinen Bildes der geologischen Karten im großen, von Bohrungen und anderen Beobachtungen. Wenn z.B. das Neokom an einer Stelle über älteren Schichten transgrediert als an einer anderen benachbarten Stelle, so wird dort eine präkretazische Aufsattelung mit einem bestimmten Streichen angenommen. Daß es sich aber hier um ein nahezu rein stereometrisches Problem handelt, daß zunächst einmal die Diskordanzwinkel im Streichen und im Fallen zwischen den transgredierenden Schichten und ihrem Liegenden als notwendigste Grundlage zu ermitteln sind, bleibt ebenso unbeachtet wie die Möglichkeit, hieraus die Lagerungsverhältnisse zu Beginn der Neokomtransgression exakt zu berechnen oder zum mindesten annähernd abzuschätzen. Denkt man sich nämlich die steil aufgerichteten Neokomschichten um ihre Streichlinien in die Horizontale gedreht und mit ihnen gleichzeitig die fest verbunden angenommen präkretazischen Schichten bewegt, dann erhalten diese dieselbe Lage wie zu Beginn der Neokomtransgression. ...