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Die Erhebung der Alpen - Nach ostalpinen Befunden

v. Klebelsberg, R.

Kurzfassung

Die Höhenentwicklung der Gebirge wird meist in unmittelbare Beziehung: zu den orogenen, den strukturprägenden Krustenbewegungen gebracht, im Sinne der Vorstellung, daß die Gebirgshöhe unmittelbar der Faltungsintensität entspreche, daß das Gebirge um so höher aufrage, je stärker seine Schichten emporgefaltet worden sind. Die Gebirgshöhe wäre diesfalls eine ursprüngliche, unmittelbar durch die orogenen Bewegungen bedingte und sie könnte, bei strenger Durchführung des Prinzips, nach Maßgabe der Abtragung, nur fort zu abnehmen. Demgegenüber finden sich in den Alpen allenthalben Anzeichen für ein Aufsteigen des Gebirges, sei es nun, daß sich das Gebirge kontinuierlich mit zeitweiser Steigerung - remittierend - oder überhaupt nur zeitweise - intermittierend - hebt. Diese Anzeichen sind gegeben in den mehr oder minder Breiten, in verschiedenen Höhen weithin entlangziehenden Verflachungen an den Hängen der Täler und höher oben im Gebirge. Diese Verflachungen können, soweit sie, ohne rein selektiv zu sein, im anstehenden Fels liegen, nicht anders aufgefaßt werden denn als Beste älterer Talböden oder solchen zugehöriger Abtragungsflächen, die außer unmittelbaren Zusammenhang mit der Taltiefe gesetzt worden sind. Eine kurze weitere Überlegung ergibt, daß sie nicht einfach verlassen worden sind, weil die Flüsse tiefer eingeschnitten haben,-dann müßten sie im Alpenvorland korrespondierende Fortsetzungen finden-sondern daß umgekehrt die Flüsse tiefer eingeschnitten haben, weil jene älteren Talböden und Oberflächensysteme in die Höhe gerückt sind, hoch über die vom Vorlande gebildete Erosionsbasis hinauf, so daß sie heute alpenauswärts frei in die Luft ausstreichen. ...