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Der Rückgang der Ganoidfische von der Kreidezeit an

Stromer, E.

Kurzfassung

Für den Paläontologen ist es ebenso wichtig, den Vorgängen und Ursachen des Rückganges und des Aussterbens von Tierformen nachzuforschen, als ihrem Entstehen und Aufblühen. Deshalb habe ich in meinem Lehrbuche der Paläozoologie (1912, S. 304-317) auch dieser Frage einen eigenen Abschnitt gewidmet. Die niederen Teleostomi, die meistens als Dipnoi und Ganoidei zusammengefaßt werden, wie auch ich es aus praktischen Gründen, zum Zwecke kurz gefaßter Darstellung getan habe, sind nun nach allgemeiner Ansicht seit langer Zeit, z. T. seit dem jüngeren Paläozoikum, z. T. seit dem jüngeren Mesozoikum, im Niedergang und Aussterben begriffen. Wenn man aber die Ursachen ergründen will, so muß zunächst mindestens der äußere Vorgang wenigstens in den Grundzügen klargestellt sein. Für die Dipnoi glaube ich das getan zu haben (1910 a, 1914 und 1917, siehe auch 1916, S. 410!), weshalb ich sie hier nicht weiter behandle. Für die Ganoiden ist es aber noch keineswegs der Fall, wie unter anderem Arbeiten Hennigs (1912) und Arldts (1924) zeigen. In ersterer wird nämlich zu beweisen gesucht, daß, abgesehen von den Pycnodonti, die Verdrängung der Ganoidei aus dem Meere geradezu sprunghaft an der Grenze der unteren und mittleren Kreide erfolgt sei und daß (damals?) nur ein Teil der Ganoidei in das Süßwasserleben übergegangen sei Der richtige Kern dieser Ausführungen ist die längst bekannte Tatsache, die in Zittels Handbuch der Paläozoologie (III, 1890, S. 324) klar ausgesprochen ist, daß bis in die untere Kreide sich noch manche marine Ganoidenformen von der Jurazeit her finden, daß aber von der mittleren (Cenoman) an Teleostei weitaus vorherrschen. ,Dadurch zerfällt die Fischfauna der Kreide in zwei, ziemlich scharf geschiedene Abteilungen." (Zittel, a.a.O.). Die von Hennig angeführten Faunen bestätigen; dies nur, er hat aber die einschlägige Literatur höchst unvollständig verwertet, und vor allem ergänzen neuere Befunde das Bild wesentlich. ...