Original paper

Das Antlitz der Alpen

v. Klebelsberg, R.

Kurzfassung

In einer den Alpen gewidmeten allgemeinen Sitzung der 88. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Innsbruck am 24. September 1924 sprach A. Penck über ,Das Antlitz der Alpen". Während sonst die allgemeinen Sitzungen mehr der Vermittlung schon bekannter Forschungsergebnisse an weitere Kreise dienen, bedeuteten Pencks Ausführungen zu wesentlichen Anteilen einen Originalvortrag, der auch dem Fachmanne Neues brachte, neue Auffassungen und neue Beobachtungen. Dem Aufsehen, das dieser Vortrag in der Öffentlichkeit machte, steht darum lebhaftes fachliches Interesse zur Seite. Der Vortrag ist mittlerweile gedruckt erschienen in den ,Naturwissenschaften", 1924, Heft 47, S. 1000-1007. Versucht man, die großen Züge des Antlitzes der Alpen zu erfassen, Züge, die nicht nur, nach Maßgabe des geologischen Baues, für die eine und andere Gruppe bezeichnend sind, sondern im Gesamtbilde der Alpen hervortreten, so sind es ihrer gar nicht viele. Die Fernansicht der Alpen kehrt immer, ob von S oder N, ob West- oder Ostalpen, eine große Wallform hervor, mit nur wenig bewegter, fast gleichmäßig flacher Kontur. Beim Nähertreten löst sich dieselbe in zahlreiche annähernd gleich hohe Gipfel auf; ihre Verbindungsfläche, die der Kontur der Wallform entspricht, ist die ,Gipfelflur". In der Ansicht von oben, im Flieger- oder Kartenbilde, treten deutlich die großen, mit nur beschränkten; Richtungsänderungen weithin ziehenden Längstäler hervor, abseits von ihnen die Flächen der Firnfelder und die flachen Oberseiten, ,Hochfluren", vieler aperer Berggebiete. Der Fußansatz des Gebirges gegenüber der Vorlandsfläche scheint aus der Ferne scharf, wie man ihn sich vorzustellen pflegt, ist es in Wirklichkeit aber nicht immer, oft schaltet sich vermittelndes Übergangsgelände dazwischen und ist es im genaueren gar nicht so einfach, Wo man die Alpen beginnen lassen soll. ...