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Zur Paläogeographie und Ammonitenfauna des Lias alfa, nebst einer Revision der Nürtinger Psilonotenfauna

Lange, Werner

Kurzfassung

I. Allgemeiner Teil: Im Jahre 1924 sind mehrere Arbeiten über den untersten Lias Süddeutschlands erschienen, die ein paläogeographisches Bild Süddeutschlands an der Trias-Jura-Wende zu geben versuchen, und zwar von Pratje, Rüger und Vollrath (siehe Literaturverzeichnis unter 1924). In ihren paläogeographischen Ergebnissen kommen die genannten Autoren zu völlig entgegengesetzten Anschauungen. Nach Rüger (1924, S. 170, 173) ist das schwäbische Psilonotenmeer und auch das der Angulatenzeit nach Norden abgeriegelt und soll seinen Anschluß an die Thetys im Süden über das vormalige vindelizische Land hinweg, das als eine Art Barre noch vorhanden gewesen sein soll, gefunden haben. Nach Vollrath kommt jedoch nur eine Transgression von Norden her, also durch die hessische Straße, in Frage; die ältere Auffassung hielt ein Eindringen von Westen auf zwei Wegen, durch eine helvetische und eine alsatische Straße, für das Gegebene. Diese Widersprüche haben ihren Grund in der unzureichenden paläontologischen Methode der Verfasser und im Mangel an Kritik bei Benutzung der älteren Literatur. Bei unserer heutigen Kenntnis oder besser Unkenntnis besonders der Cephalopoden des unteren Lias Süddeutschlands und ihrer stratigraphischen Einordnung muß eine Paläogeographie dieses Gebiets zurzeit des Lias alfa als verfrüht bezeichnet werden. Während Rüger (1924, S. 120) das wohl auch selbst empfunden hat und sich selbst recht skeptisch über den Wert seiner Paläogeographie äußert, unternimmt es Vollrath, alle bisherigen Anschauungen umzustürzen und der Geologie neue Wege zu weisen. Wie im folgenden gezeigt werden soll, ist dies aber zurzeit weniger dringlich, als die richtige Anwendung der altbewährten Methoden. Dazu gehört in erster Linie eine genaue paläontologische Durcharbeitung streng stratigraphisch gesammelten Fossilmaterials. Es ist hier nicht beabsichtigt, sämtliche Irrtümer und Fehlschlüsse der genannten Autoren, in erster Linie Vollraths, nachzuweisen, sondern es sollen nur einige der auf unzulänglichen paläontologischen Daten beruhenden Trugschlüsse richtiggestellt werden. ...