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Neuere Forschungen zur Entstehung der Kohlen

Fischer, F.

Kurzfassung

Die Kenntnisse über die Entstehung der Kohlen und über die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Arten haben sich in den letzten zehn Jahren vertieft und erweitert. Über das Ausgangsmaterial der häufigsten Kohlen, der sogenannten Humuskohlen, wozu die Braunkohlen und die normalen Steinkohlen zählen, ist heute im Prinzip kein Zweifel mehr. Mit abgestorbenem pflanzlichen Material begann der Kohlenbildungsprozeß. Ob dieses Material von Bäumen oder anderen Pflanzen stammt, werden, wir im Laufe des Vortrages sehen. Welche Arten von Bäumen oder von Pflanzen es aber waren, ist für den Prozeß der Kohlenbildung von untergeordneter Bedeutung. Enthalten sie doch fast alle zwei wesentliche Hauptbestandteile, allerdings in verschiedenem Verhältnis, nämlich Zellulose und Lignin, daneben Wachse, Harze, Fette und Eisweißstoffe. Für die prinzipielle Klärung des Bildungsprozesses der Humuskohlen genügt nach meiner Meinung die Betrachtung der Hauptbestandteile, Zellulose und Lignin. In jungem pflanzlichen Material ist Lignin noch nicht enthalten. Es bildet sich bei dem mehr oder weniger auffälligen sogenannten Verholzungsvorgang und ist die Ursache der zunehmenden Härte. Seine Gegenwart kann kontrolliert werden durch die Ermittlung des Methoxylgehaltes. In Tafel 1 b sehen wir, daß das für die Torfbildung häufig in Frage kommende Sphagnum nicht über 3 % Lignin enthält, Kiefernholz, dagegen bis 28 %, Eichenholz bis 37 % und die besonders harten Schalen der Walnuß bis 47 %. Da in den meisten Pflanzen die Zellulose bei weitem überwiegt, so hat man früher die Zellulose als den chemischen Ausgangskörper für die Kohlenbildung angesprochen, sich um das Lignin aber wenig gekümmert. Das Resultat der älteren Anschauung ist der Zellulosestammbaum der Kohlen, wie er in Tafel 2 skizziert ist. ...