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Begleitworte zu der Karte von La Gomera mit einem Anhang über die Calderafrage

Gagel, C.

Kurzfassung

Die Insel La Gomera-anscheinend die älteste der Kanarischen Inseln-weist in ihrem Aufbau und in ihren Gesteinen die überraschendste Ähnlichkeit auf mit La Palma, von der sie durch einen breiten und mehr als 2500 m tiefen Meeresarm getrennt ist (siehe Seite 556). Wie in der Caldera von La Palma ist auch auf La Gomera ein uraltes, diabasisches, sehr stark tektonisch beeinflußtes, metamorphosiertes, chloritisiertes, z. T. völlig kaolinisiertes Grundgebirge vorhanden, das bis auf mehr als 700 m Tiefe stark zersetzt ist und sich jetzt noch, nachdem es eine ungeheuer starke Denudation und Erosion erlitten hat, bis zu über 800 m Meereshöhe erhebt. Dieses Grundgebirge tritt ganz vorwiegend im N der Insel auf, vom Risco de Tegueleche (nördlich vom Volle Gran Rey) im W (Taf. XXV, Abb. 2), bis östlich von Hermigua-Palmar (Taf. XXV, Abb. 1; Taf. XXVI). Dieses Grundgebirge wird nach S zu bedeckt von einer jungen (tertiären bis posttertiären) vulkanischen Formation aus Alkalibasalten, Tephriten, Trachydoleriten, Trachyten, usw., die im Gegensatz zu dem alten Grundgebirge völlig frisch und ungestört sind und nur die normalen Verwitterungserscheinungen an der Oberfläche aufzuweisen. Diese jungvulkanische Formation besteht zum sehr erheblichen Teil aus deckenförmigen Ergüssen, die im allgemeinen von der Mitte der Insel nach den Bändern zu, vorwiegend nach S und O, aber auch nach W zu, fallen (Taf. XXV, XXVII, Abb. 2), aus Aschen- und Schlackenmassen, die zwischen diesen Decken und ganz vorwiegend im tieferen Teile der Mitte der Insel auftreten, und aus nahezu zahllosen Gängen, die die ganze Insel durchsetzen. Diese monchiquitischen, basaltischen, phonolithischen, trachytischen, bostonitischen, essexitporphyritischen Gänge sind sehr oft aus den sie umgebenden Aschen- und Schlackenmassen, die sie durchbrochen haben, mauerartig herausgewittert, und diese ausgewitterten Gangmauern sind eine so häufige und charakteristische Erscheinung auf der Insel, daß die Eingeborenen einen besonderen Namen dafür haben-sie nennen sie Taparuchas (Taf. XXVIII, Abb. 2 und Abb. 1. S. 554). ...