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Zur Klassifikation und Terminologie der Sphaerite.

Kumm, A.

Kurzfassung

In der allgemeinen und in der petrogenetischen Geologie begegnet man noch viel zu häufig der eigenartigen, behelfsmäßig anmutenden Methode der Bezeichnung gewisser Vorgänge und Erscheinungen als ,eigentliche", als ,echte" oder als solche ,schlechthin". Daneben wendet man auch Ausdrücke wie: ,im engeren und im weiteren Sinne" an. Ferner findet man, daß dieselbe Bezeichnung für ganz verschiedene Objekte verwendet oder daß derselbe Gegenstand mit verschiedenen Namen belegt wird. Die erstere Methode trifft man hauptsächlich dann, wenn die Gesamterscheinung und eine speziellere Form derselben den gleichen Namen besitzen, wie das z. B. beim Vulkanismus der Fall ist. Die Begriffe Metamorphose und Diagenese werden bald in einem umfassenderen, bald in einem beschränkteren Sinne gebraucht, und bei den Oolithen findet sich sogar die unliebsame Verwendung desselben Wortes für das gesamte Gestein und für die einzelnen wesentlichen Komponenten desselben, das einzelne Oolithkorn. Gesteinsbezeichnungen werden auf die Struktur der Komponenten übertragen und vieles andere mehr. Dieser offenbare Mangel ist zweifellos eine Folge des Fehlens genauer Definitionen oder, wenn sie vorhanden, der ungenügenden Berücksichtigung dieser Definitionen, was meist wiederum wohl auf die häufig vorhandene Schwierigkeit der Deutung der Vorgänge und der Objekte und auf die heute oft noch bestehende Unmöglichkeit ihrer Einordnung unter eine bestimmte Definition zurückzuführen sein wird. Ganz besonders ist mir die Verwirrung, die durch das Fehlen einer allgemein anerkannten und befolgten Definition und einer einheitlichen Systematik entstanden ist, bei den mehr oder minder kugelig geformten Gesteinskomponenten, den Sphaeriten, aufgefallen. Jedes Lehrbuch, ja fast jede Spezialarbeit hat über die Benennung der verschiedenartigsten Sphaerite und über deren Stellung im petrogenetischen System seine eigene Auffassung. ...