Original paper

Über Bau und Entstehung des bayrischen Alpenrandes.

Troll, Karl

Kurzfassung

Es ist keine zufällige Erscheinung, daß eine ganze Reihe der wichtigsten Arbeiten über Bau und Entstehung der Ostalpen in den letzten Jahren, wo der Streit um die Anwendbarkeit der Deckentheorie so heftig entbrannt ist, am Alpenrand und sogar in ihrem Vorlande ausgeführt wurden. Die geringere Aufgeschlossenheit der Ostalpen nach der Tiefe zu im Vergleich zu den Westalpen hat dazu gezwungen, zur Erklärung; ihres komplizierten Faltenbaues vielfach andere Wege als die in den Westalpen beschrittenen einzuschlagen. Ich denke einerseits an die Arbeiten, die sich am Stirnrand der Ostalpen im Gebiete der helvetischen Kreide und des Flyschgebirges, bewegen, anderenteils an die Untersuchungen des tertiären Alpenstehuttes, wie er uns in der Molasse des Alpenvorlandes entgegentritt. Neben einer Reihe anderer wichtiger Arbeiten sind es ganz besonders die von K. Boden und M. Richter, welche uns in rascher Folge bedeutsame neue Erkenntnisse über die Verhältnisse vermitteln und eine endgültige Losung anbahnen. Wenn ich als im Felde Unbeteiligter in diesen Fragen heute das Wort ergreife, so will ich damit nichts weniger als mich als Mitarbeiter in die Reihe der Alpengeologen stellen. Die äußere Veranlassung dazu gibt mir vielmehr eine vor kurzem erschienene Abhandlung, die die Entstehung des nördlichen Alpenrandes unter Berücksichtigung der neuen Forschungen in einem ganz eigenartigen Lichte darzustellen versucht. Nicht weil ich mich berufen fühle als erster gegen diese Darlegungen Stellung zu nehmen, greife ich sie auf, sondern weil darin an Überzeugungen gerührt wird, die seit Jahren ganz nebenbei in mir gereift sind und die ich, weil in meinem glazialmorphologischen Arbeitsgebiet gelegen, im letzten Jahre durch Tatsachen erhärten konnte, die für die weitere Ausarbeitung der großen Probleme von Wert sein dürften. Gerade weil diese Überzeugungen weniger durch ein Kartieren im Gelände, als durch ein geschärftes Betrachten der Karte entstehen mußten und die genannte geologische Arbeit ihre Beweisführung auf die Betrachtung der Karte aufbaut, fühle ich mich als Geograph gedrängt sie jetzt niederzulegen. ...