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Zur Gliederung des Alttertiärs in Nordwestdeutschland

Schuh, Fr.

Kurzfassung

In einer Arbeit ,Magnetische Messungen im nordwestlichen Mecklenburg" (Heft XXXVI der Mitt. a. d. Meckl. Geol. Landes-Anst.) habe ich auch die Frage der Gliederung des Alttertiärs für die in Frage kommende Gegend besprochen. Da ich nun aus zwei neueren Arbeiten ersehe, daß die dort gemachten Ausführungen wenig Berücksichtigung gefunden haben, sehe ich mich veranlaßt, auf diesen Gegenstand hier nochmals kurz zurückzukommen. Lange schon hatte ich starke Bedenken gegen die durch E. Geinitz gegebene Deutung des Alters der Tone und Grünsandsteine, welche im Süden von Brunshaupten an zahlreichen Stellen anstehen. Geinitz hatte diese Gesteine zum Paleocän gestellt und sie für älter als Londonton gehalten. Mein Argwohn gegen die Richtigkeit dieser Altersstellung basierte auf den Ergebnissen der Bohrungen, welche bei Warnemünde und Rostock, sowie auf dem Höhenzug im Süden von Brunshaupten niedergebracht worden waren. In der Tiefbohrung von Diedrichshagen bei Warnemünde war nämlich unter 75 m Diluvium bis 392 m fetter dunkler kalkfreier Ton vom Aussehen des Londontons gefunden worden, darunter senone Kreide bis 525 m, dann bis 535 m grauer toniger Feinsand. Ein ähnliches Ergebnis hatte die Tiefbohrung Groß-Klein im Süden von Warnemünde. Hier wurde gefunden: unter 40 m Diluvium bis 405 m fetter kalkfreier dunkler Ton mit Schwefelkies und Phosphoritknollen, darunter bis 555 m senone Kreide, dann bis 595 m feiner Glimmersand, bis 690 m hellgrauer Ton, bis 860 m weißer und grauer Kalkmergel mit Tonzwischenlagen und zwischen 813 und 860 m auch mit Lagen von weißem Feuerstein, endlich bis 892 m grauer, geflammter harter Kalkmergel mit einigen Tonbändern. Aus dem Ergebnis dieser beiden Bohrungen mußte geschlossen werden, daß der mächtige dunkle kalkfreie Ton das Hangende der senonen Kreide darstellt. Entweder also mußte der Ton paleocänes Alter haben, oder Paleocän war überhaupt nicht vorhanden. ...