Original paper

Über die Kraftquelle der Tektogenese.

Haarmann, Erich

Kurzfassung

Die Geologie befindet sich heute in einem merkwürdigen Stadium: fast alle Geologen und mit ihnen die Forscher, welche auf den Resultaten der Geologen bauen, sind wie hypnotisiert von Horizontalbewegungen, die sich durch die Art der Schichtlagerung, nämlich durch Falten, Decken und Überschiebungen, so überaus häufig und augenfällig in der Erdkruste konserviert haben. Diesen Dokumenten wagrechter Bewegungen verdankt die Kontraktionstheorie als Erklärung der Tektogenese (vgl. diese Zeitschr., diesen Bd., Monatsber. S. 105) ihre große Anhängerschaft, aber auch die Gegner der Kontraktionisten versuchen fast immer Horizontalbewegungen unmittelbar zu erklären: durch Polwanderungen, durch Verlangsamung der Erdrotation durch Unterströmungen und dergleichen mehr. In Wirklichkeit aber sind alle diese versteinerten Horizontalbewegungen nur sekundärer Natur, sie bilden die Sekundärtektonik und waren Begleit- und Folgeerscheinungen von primärtektogenetischen Vertikalbewegungen, durch welche Gefälle entstanden, und diese wieder ermöglichten der Schwerkraft genügend bewegliche Gesteine gefällabwärts zu bewegen, wobei sie dann teilweise gefaltet wurden. Die Sedimente, welche in erster Linie geeignet sind, Horizontalbewegungen auszuführen, bilden ja nur einen relativ dünnen Schorf auf der Erstarrungskruste. Aber dieser Schorf und die großen Wassermassen, die fünf Siebentel der Erdoberfläche einnehmen, entziehen die Schlackendecke fast ganz der Beobachtung, sodaß sie nur an wenigen Stellen heraussieht. Denken wir uns die Stratosphäre und Hydrosphäre fort, so liegt die Scoriosphäre nackt vor uns: ein Bild, wie der Mond es uns bietet. Das selenologische Forschungsgebiet wird von Geologen viel zu wenig beachtet. ...