Original paper

Über die angeblichen glazialen Erscheinungen auf Gran Canaria.

Gagel, C.

Kurzfassung

Im Jahre 1907 ist im ,Globus" (XCII Nr. 21 und 22, Seite 347-348) eine nachgelassene Arbeit V. Knebels erschienen: ,Der vulkanische Aufbau der Insel Gran Canaria", die Angaben über angebliche Glazialkonglomerate auf glazial geschliffenem Untergrund auf Gran Canaria bringt. Da diese Angaben bei 28° nördlicher Breite und etwa 300 m Meereshöhe der Fundstelle eine rund 5000 m tiefe vertikale Depression der Insel seit miocäner Zeit bedeuten würden - wo doch der Augenschein der marinen jungmiocänen Terrasse über Las Palmas die Hebung der Insel in nachmiocäner Zeit um etwa 250 m beweist - und auch sonst von allgemein geologischem Interesse wären, so habe ich die Gelegenheit meiner Reise nach La Gomera benutzt, die Angaben V. Knebels nachzuprüfen. Über die Örtlichkeit der von V. Knebel beschriebenen Erscheinungen kann kein Zweifel bestehen. ,Am Wege von Telde nach San Mateo, im Oberlauf des Valle San Rocque, in unmittelbarer Nähe der Mineralquelle von San Rocque" ist völlig eindeutig. Die ,Fuente Agria" von San Rocque ist die einzige Quelle auf Kilometer im Umkreise, übrigens ein ganz fades und gar nicht erfrischend schmeckendes, lauwarmes Gewässer ohne wahrnehmbare Wasserstoffionen oder Kohlensäuregehalt. Ich habe den ganzen kleinen Barranco des Valle San Rocque vom Ursprung an bis weit unterhalb der Quelle sorgfältigst abgesucht und folgendes gefunden: In den Seitenwänden des etwa 20-30 m tief eingerissenen kleinen Barrancos sieht man an den fraglichen Stellen z. T. alte Wildbachablagerungen: grobe Schotter mit bis über 1 m großen Geröllen und ziemlich eckig-kantigen, wenig bestoßenen Wildbachgeschieben, wie sie hier in den steil herunterkommenden Barrancos gang und gäbe sind und wie ich sie auf La Palma und La Gomera so häufig gesehen habe. Diese Wildbachablagerungen enthalten z. T. Schichten von feinem Kies und grobem Sand. ...