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Das Pommersche Hinterland der ,Großen Baltischen Endmoräne"

v. Bülow, Kurd

Kurzfassung

Seit etwa drei oder mehr Jahrzehnten wird bei der Erklärung gewisser morphologischer Verhältnisse in Diluvialgebieten gelegentlich mit dem Begriff des ,Toten Eises" gearbeitet. Nach Ansicht mancher Diluvialgeologen hat Toteis als Lückenbüßer überall da einzuspringen, wo andere Möglichkeiten der Erklärung versagen, und wäre am besten ganz zu streichen. Dem stehen begründete Auffassungen gegenüber, die des Toteises zur Erklärung von Asarn, Rinnen, gewissen Seen u. a. Erscheinungen: nicht entraten können. Man kann weitergehen und behaupten, daß gewisse, größere Teile des norddeutschen Diluvialgebietes, ihren landschaftlichen Charakter nahezu ausschließlich erstorbenen Eismassen verdanken, da einzelne Teile des Inlandeiskörpers von vornherein zur Toteisbildung prädestiniert erscheinen. Ich möchte diese Behauptung im folgenden am pommerschen Beispiel erhärten. Unter ,Toteis" sind nicht nur vom Inlandeis abgetrennte Fetzen, Schollen, Blöcke zu verstehen, sondern ganz allgemein Teile des Inlandeiskörpers, deren innere Bewegung erloschen ist. Das wird in erster Linie dann eintreten, wenn der Materialnachschub vom Nährgebiet her aussetzt, und kann im Extremfall das gesamte Inlandeis betreffen. Setzt der Nachschub nicht völlig aus, sondern läßt er nur nach so werden zuerst diejenigen Teile des Eises unversorgt bleiben, die abseits der Hauptstromlinien des Eises liegen, also etwa Sektoren zwischen zwei besonders aktiven Zonen. Bei weiterem Nachlassen bzw. beim Andauern des geringen Nachschubes werden auch die lebendigeren Teile in Mitleidenschaft gezogen werden und an Mächtigkeit und Aktivität einbüßen. Um das vorliegende konkrete Beispiel zu nehmen: Ein Nachlassen des Nachschubes wird sich sinnfällig nicht zuerst im Oderlobus des Eisrandgebietes, auch nicht in dem ähnlich bedeutenden Weichsellobus bemerkbar machen, sondern in dem zwischen beiden belegenen hinterpommerschen Zwickel. ...