Original paper

Die geologischen Lagerungsverhältnisse der neuentdeckten paläolithischen Kulturschichten an der Schneidemühle bei Haynsburg unweit Zeitz (Provinz Sachsen)

von Wichdorff, H. Hess

Kurzfassung

Drei Kilometer in Luftlinie südwestlich von Zeitz liegt in einem der tiefeingeschnittenen Täler, die von Süden nach Norden ihre Bäche der Weißen Elster zuführen, die Dampfschneidemühle des Herrn Hahn und eine beliebte Sommerfrische ,Zur Zeitzer Schweiz". Als im Herbst 1924 in diesem Sägewerk ein großer Holzstapelplatz hergerichtet und hierzu ein flacher Bergrücken abgegraben wurde, kam eine große Anzahl Knochen von Diluvialtieren zum Vorschein. Anfänglich blieben diese Funde unbeachtet, bis im März 1925 der Herr Kantor Erich Tiersch im benachbarten Dorfe Breitenbach auf Grund von Untersuchungen an Ort und Stelle feststellte, daß im Aufschlüsse an der Schneidemühle nicht nur Diluvialtierknochenreste vorkommen, sondern auch gebrannte Knochen dieser Tiere, Holzkohlen und Feuersteinwerkzeuge. Wie richtig von Anfang an Herr Tiersch die Tragweite seines Fundes erkannte, geht aus seinem am 4. April 1925 in den ,Zeitzer Neuesten Nachrichten" unter der Überschrift: ,Auf den Spuren des Mammutjägers" erschienenen Fundbericht hervor. Herrn Tiersch gebührt aber nicht nur das Verdienst, diese wichtige paläolithische Fundstätte an der Schneidemühle - eine der wenigen in Mitteldeutschland - entdeckt zu haben, er hat auch sofort dafür Sorge getragen, sie der Wissenschaft und der Forschung zu erschließen. Noch vor der genannten Veröffentlichung hatte er dem Zeitzer Vorgeschichtsforscher Herrn Dr. Wilcke von dem wichtigen Funde Mitteilung gemacht, der am 4. April 1925 die Fundstätte untersuchte und bereits am 8. April im Völkermuseum in Berlin Herrn Professor Dr. Götze die Fundesanzeige übermittelte, ebenso wie vorher dem Provinzialmuseum in Halle. Bereits vom 17. April 1925 ab unternahm nun Herr Götze im Auftrag der vorgeschichtlichen Abteilung des Völkermuseums eine Ausgrabung und Untersuchung der paläolithischen Fundstätte an der Schneidemühle, zu der er mich als geologischen Berater hinzuzog, wofür ich ihm auch an dieser Stelle meinen verbindlichen Dank ausspreche. ...