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War Norddeutschland drei- oder viermal vom Inlandeis bedeckt?

Range, Paul

Kurzfassung

Als im achten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts die Ansicht allgemein durchdrang, daß Norddeutschland von Inlandeis bedeckt gewesen sei, waren die führenden Geologen zunächst der Ansicht, daß diese Eisbedeckung durch einen einheitlichen Akt entstanden sei. Zwar hatte man schon, als noch die Driftheorie für Norddeutschland Geltung hatte, ein oberes und ein unteres Diluvium unterschieden, doch schien nun durch die neue Auffassung die Einheitlichkeit des ganzen Eiszeitphänomens wieder gewahrt zu sein. Aber bald zeigte sich durch die geologische Spezialaufnahme, die besonders seit dieser Zeit in Norddeutschland einsetzte, daß wohl kaum an einer Einheitlichkeit der diluvialen Eiszeit festzuhalten sei. Es fanden sich in den verschiedensten Gegenden Deutschlands mehrere Geschiebemergel übereinander, getrennt durch mächtige Sand- und Kiesschichten, in denen man besonders bei Berlin eine arten- und individuenreiche Säugetierfauna in den Rixdorfer Sanden entdeckte. Nach und nach wurden auch andere Interglaziale beobachtet, von denen besonders das Torflager von Klinge bei Kottbus und das des Kuhgrundes bei Lauenburg bekannt und viel umstritten wurden. Auch marine Schichten verschiedener Art fanden sich zwischen zwei Geschiebemergelbänken eingelagert. Einmal war es eine hochnordische Fauna, deren wichtigster Vertreter Yoldia arctica ist, dann aber auch die Eem-Fauna, deren Vertreter auf ein wesentlich wärmeres Meer als das, welches heute unsere Küsten bespült, hinweisen. Wenn schon diese marinen Beste ein wärmeres Klima andeuten, so ergeben die Untersuchungen der interglazialen Pflanzenreste, um die sich besonders C. A. Weber verdient gemacht hat, daß noch mehr diese Ablagerungen einem gemäßigten Klima angehören müssen, das mindestens die gleichen Wärmegrade wie heute aufweist. ...