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Salztektonik - Bemerkungen zu dem Vortrage des Herrn E. Fulda.

Woldstedt, Paul

Kurzfassung

Bei seinen Ausführungen über die Salztektonik geht der Vortragende von der Richtigkeit der Gellerschen Untersuchungen über den Fließdruck der Salze sowie der geologischen Folgerungen aus, die Mügge und Geller für die Salztektonik Norddeutschlands aus ihnen gezogen haben. Ich möchte mich demgegenüber durchaus auf den Standpunkt Rinnes stellen, der bestreitet, daß die Bedingungen, unter denen die Gellerschen Versuche angestellt worden sind, denen der Natur entsprechen. Der Hauptnachdruck ist dabei darauf zu legen, daß der Faktor Zeit nicht in genügender Weise berücksichtigt worden ist. Bei den in Frage stehenden Vorgängen spielt er aber zweifellos eine äußerst wichtige Rolle. Als Beispiel sei hier nur an das bekannte Verhalten des Siegellacks erinnert, der sich gegen kurze Beanspruchung durchaus starr verhält und bricht, während er sich bei langdauernder allmählicher Beanspruchung plastisch verhält und sich durchbiegt. In der Geophysik ist man seit langem gewohnt, mit diesem verschiedenen Verhalten gegen kurze und lange Beanspruchung zu rechnen: die Erde hat gegenüber kurzer Beanspruchung eine Riegheit, die größer ist als die des Stahles, während sie sich gegen eine lange Beanspruchung wie eine Flüssigkeit verhält. Die wichtigste Frage, die also bei jedem solchen theoretischen Experiment zu stellen ist, ist die: Entsprechen die Versuchsbedingungen denen der Natur? Da es in den seltensten Fällen gelingen wird, gerade den Faktor Zeit seiner Bedeutung entsprechend einzusetzen, haben die Experimente, so wertvoll sie sonst sind, vielfach nur qualitativen, aber keinen quantitativen Wert. Um so wichtiger ist es, den Bedingungen nachzukommen, die bei den Großexperimenten der Natur selber geherrscht haben, und auf diesem Wege durch eine möglichst vollkommene Analyse zu einer Erkenntnis der wirkenden Kräfte zu kommen. ...